BWL - Band IV - Unterweisung 90


Buch des Wahren Lebens - Lehren des Göttlichen Meisters -
Band IV - Unterweisung 83 - 110 
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Unterweisung 90:
1. Ich bin der Wanderer, der an die Türen eurer Herzen klopft.
Ich klopfe, und ihr wisst nicht, wer es ist; ihr öffnet, und erkennt
Mich nicht. Ich bin wie der Wanderer, der in ein Dorf kommt und
niemanden hat, der ihn kennt, wie der Ausländer, der ein fremdes
Land betritt und in seiner Sprache nicht verstanden wird. So fühle
Ich Mich unter euch! Wann werdet ihr Meine Gegenwart fühlen? O
Menschen, wann werdet ihr Mich erkennen, wie zu seiner Zeit Josef
von seinen Brüdern in Ägypten erkannt wurde?
2. Josef, Sohn des Jakob, war von seinen eigenen Brüdern an
einige Händler verkauft worden, die auf dem Wege nach Ägypten
waren. Josef war noch klein und hatte doch schon Beweise einer
großen Gabe der Prophetie gegeben. Der Neid bemächtigte sich
seiner Brüder, die sich seiner entledigten in der Meinung, ihn nicht
mehr zu sehen. Doch der Herr, der über seinem Diener wachte,
beschützte ihn und machte ihn groß beim Pharao von Ägypten.
Viele Jahre danach, als die Welt von Dürre und Hunger geplagt
wurde, hatte Ägypten, geleitet von den Ratschlägen und Inspirationen
Josefs, genügend Vorräte angelegt, um der Heimsuchung
standzuhalten. Da geschah es, dass die Söhne Jakobs auf der Suche
nach Lebensmitteln nach Ägypten kamen. Groß war ihr Erschrecken,
als sie erkannten, dass ihr Bruder Josef zu einem
Minister und Berater des Pharao geworden war. Als sie ihn sahen,
fielen sie zu seinen Füßen auf ihre Knie nieder voll Reue über ihre
Verfehlung, und sie erkannten, dass die Prophezeiungen ihres
Bruders in Erfüllung gegangen waren. Jener, den sie für tot hielten,
war hier vor ihnen voller Macht, Tugend und Weisheit. Der Prophet,
den sie verkauft hatten, bewies ihnen die Wahrheit der Prophetie, die
der Herr schon als Kind auf seine Lippen gelegt hatte. Der Bruder,
den sie gequält und verkauft hatten, vergab ihnen. Verstehst du,
Volk? Jetzt wisst ihr, warum Ich euch an diesem Tage gesagt habe:
Wann werdet ihr Mich erkennen, wie Josef seine Brüder erkannten?
3. Ich gab euch einst auch Prophezeiungen, Ich wurde
gleichfalls verkauft und dem Tode ausgeliefert. Doch erinnert euch,
dass Ich euch sagte, dass Ich wiederkommen würde. Warum also
empfangt ihr Mich nicht jetzt, da Ich an eure Türen klopfe? Wird es
notwendig sein, dass auf Erden Dürre und Hunger in Erscheinung
treten wie bei jener Gelegenheit, damit ihr Mich endlich sucht?
4. Wie viel habe Ich zu euch gesprochen und euch gegeben seit
Anbeginn der Zeiten, um euch vom Bösen zu erretten und euch zur
Vollkommenheit zu bringen. Aber noch benötigt ihr Zeit, um zum
Gipfel des Berges gelangen zu können, wo Ich euch erwarte, um
euch wie Kleinode zu hüten, die Meiner Liebe entsprungen sind und
die zu Mir zurückkehren.
5. Alle Menschen wissen, dass Ich der Vater alles Geschaffenen
bin und dass die Bestimmung der Wesen in Mir ist. Dennoch habe
Ich von ihnen weder ihre Aufmerksamkeit noch ihre Achtung
empfangen. Sie erschaffen gleichfalls, sind auch Herren, und
glauben Macht zu haben über das Geschick ihrer Nächsten — wozu
sich also vor Mir beugen?
6. Auf diese Weise hat der Mensch Meine Geduld auf die Probe
gestellt und Meine Gerechtigkeit herausgefordert. Ich habe ihm Zeit
gegeben, um die Wahrheit zu finden, aber er hat nichts von Mir
annehmen wollen. Ich kam als Vater und wurde nicht geliebt;
danach kam Ich als Meister und wurde nicht verstanden; doch da es
notwendig ist, die Menschheit zu retten, komme Ich jetzt als
Richter. Ich weiß, dass der Mensch gegen Meine Gerechtigkeit
aufbegehren wird, denn er wird Mich auch als Richter nicht
verstehen und wird sagen, dass Gott sich gerächt hat.
7. Ich wollte, alle würden begreifen, dass Gott keine Gefühle
der Rache hegen kann, weil Seine Liebe vollkommen ist. Ebenso
wenig kann Ich den Schmerz senden; ihr selbst seid es, die ihn durch
ihre Sünden anziehen. Meine göttliche Gerechtigkeit steht über
eurem Leid und selbst eurem Tod. Der Schmerz, die Hindernisse,
die Misserfolge sind die Prüfungen, die der Mensch sich ständig
auferlegt, und die Früchte seiner Saat sind das, was er nach und
nach erntet. Mir genügt es, bei jeder dieser Lebenskrisen Mein Licht
zu eurem Geiste gelangen zu lassen, damit er sein Heil erreicht.
8. Viele Menschen sagen, dass sie die Lehre Christi nicht
verstehen, dass sie nicht wissen, wovon sie sich abkehren und wohin
sie ihre Schritte lenken sollen. Doch Ich frage sie: Erscheinen euch
jene Lehren als allzu hoch? Dann vernehmt Mich jetzt, und ihr
werdet sie verstehen.
9. Ich wusste, dass Ich zurückkehren musste, um euch all jene
Lehren zu erläutern. Darum sagte Ich euch, dass der Geist der
Wahrheit kommen und euch alle Geheimnisse erklären würde, um
euch begreifen zu lassen, was ihr nicht verstanden hattet. Dies ist die
Zeit, in welcher der Geist der Wahrheit über allem Fleische und über
jedem Geiste schwebt. Es genügt, wenn ihr euch auf das Innerste
eures Gewissens konzentriert, um Meine Stimme zu hören. Aber Ich
wollte euch als Erstlingsfrucht dieser Zeit Meine Kundgabe mittels
des menschlichen Verstandesorgans geben, damit diese Botschaft
der Same sei, der euch Festigkeit und Glauben gibt auf dem Weg zu
eurer Entwicklung.
10. In dieser Zeit gebe Ich euch Liebe, Frieden und geistige
Unterweisung, und euer Herz — arm und all dessen bedürftig —
läutert sich, um die göttliche Gabe zu empfangen.
11. Was die mächtigen Menschen und jene von großem Wissen
verschmäht haben, empfangen die Demütigen, und was in den
prächtigen Palästen verachtet wurde, gelangt zu den ärmlichen
Hütten und wird mit Freuden aufgenommen.
12. Ihr, die ihr des langen Wartens und so vielen Leidens müde
geworden seid, kommt zu Mir. Ich habe alles vorbereitet, und alles
ist fertig für diesen Augenblick. Ich habe den Wind mit Wohlgerüchen
versehen, damit ihr Meinen belebenden Hauch einatmet,
denn Ich will Mich euch mit unendlicher Liebe nahen.
13. Die Kinder der Mächtigen sagen Mir, wenn sie Mein Rufen
vor ihrer Türe vernehmen: "Komm morgen wieder, denn heute gibt
es keinen Platz für dich", während die Menschen schlichten
Gemütes Mir sagen: "Komm zu uns, Meister, komm und beehre
unsere Hütte mit Deiner Gegenwart. Blicke nicht auf unsere
Schandflecken. Der Du das Haus der Sünderin Magdalena
besuchtest, gewähre uns das Glück, Dich zu betrachten."
14. Wenn Mich dieser drängende, aber demütige Ruf erreicht,
nähere Ich Mich und trete ein in diese Herzen, die zu dieser Stunde
zubereitet sind, als wären sie ein Heiligtum.
15. Ich entdecke unter euch die mit Schmerzenstränen Gesalbten,
solche, die Verfolgung erlitten haben, die Demütigungen
erduldet haben.
16. Ich komme, weil ihr Mich in der Stille eurer (inneren)
Kämpfe und eurer Enttäuschungen gerufen habt; doch sollt ihr es
schätzen, dass Ich auf euren Ruf hin ohne Säumen gekommen bin,
wie ein Hirte schnell herbeieilt, wenn er das Blöken des Schafes
hört, das sich verirrt hat oder sich in Gefahr befindet.
17. Ihr habt Mich mit großem Glauben gerufen, habt Mich
unermüdlich gesucht, und wahrlich, Ich sage euch, euer Glaube
konnte euch nicht betrügen.
18. Macht euch bewusst, dass Ich Meine Segnungen wie eine
Wasserflut der Liebe auf all jene ergieße, die zu glauben und zu
warten verstanden. Hört Meine Stimme, die zu euch gelangt, als ob
es ein Liebeslied wäre, das euch die Leiden vergessen lässt und euch
all das vergibt, was so bitter war und euer Herz nach und nach auf
dem Lebensweg geerntet hat.
19. Ihr lernt derzeit, Meine geistige Gegenwart in euren Herzen
zu fühlen, und diese Kenntnis ist für die einen wie eine Ruhepause,
für die andern wie eine Oase gewesen. Ich bin auf der Suche nach
allen, doch zuerst kam Ich eilends herbei, um Mich unter denen
kundzutun, die, als sie Mich hörten, Mich nicht verneinten, die den
Spott ihrer Geschwister zu ertragen wussten, weil sie bei Mir sind.
20. Habt Geduld in den Prüfungen, und ihr werdet dadurch
Zeugnis von Meinem Werke ablegen; doch Ich werde gleichfalls
Zeugnis von Meinen treuen Jüngern ablegen, damit die Menschheit
begreift, dass sie in der Wahrheit stehen.
21. Nicht nur ihr werdet Zeugen Meines Werkes sein, nicht nur
die Männer und Frauen Meines Volkes werden Mein Kommen
bezeugen, sondern alles wird von Meinem Kommen sprechen und
von Meiner Wahrheit zeugen, wie es in jener Zweiten Zeit geschah,
in welcher in der Todesstunde am Kreuze selbst die Sonne sich
verbarg, die Erde erbebte und ganz Jerusalem trostlos und traurig
war.
22. Geliebte Jünger, weint nicht länger um Mich, eure Tränen
werden sich in Seligkeit verwandeln, denn ihr werdet noch vor
unendlicher Freude weinen, wenn ihr den Sieg Meiner Lehre auf
Erden erlebt, und diese Seligkeit wird euch niemand nehmen
können. Nehmt zunächst weiterhin euren Platz bei diesem geistigen
Festmahle ein und esst das süße Brot des Lebens.
23. Genießt dies Fest, das in eurem Geiste widerstrahlt, damit
ihr in dem Augenblick, da ihr die Gemeinschaft mit Mir erlangt,
eure Drangsale vergesst. Eure Wunden sollen heilen, und ihr sollt
von euren Mühsalen ausruhen. Euer Herz soll, wenn diese
Augenblicke gekommen sind, wie ein Haus erstrahlen, wenn es zum
Feste geschmückt ist, und nicht einmal die königlichsten Paläste der
Erde werden in dieser Stunde den Glanz haben, der in eurem Geiste
aufleuchtet.
24. Gesegnet seien die von Herzen Sanftmütigen, denn ihrer ist
das Himmelreich.
25. Selig, die zutiefst leiden, wenn der Hirte beleidigt wird.
Doch fürchtet nicht für Mich, fürchtet für euch, die der Schmerz in
der Tat niederdrücken und die Versuchung besiegen kann.
26. Ihr erquickt euch, wenn ihr Mir zuhört, und fragt Mich:
"Meister, warum hast Du uns erwählt, obschon wir so klein und so
schwach sind?" Doch Ich antworte euch: Euer Herr irrt sich niemals.
27. Erkennet: Noch bevor ihr zum ersten Mal hierherkamt, um
Mich zu hören — als ihr noch nichts von Meinem Kommen wusstet,
wies euch euer Herz bereits darauf hin, dass der Meister dabei war,
Sein Licht zur Welt zu senden gleich einem Leuchtfeuer, das die
Schiffbrüchigen inmitten des Sturmes leitet.
28. Ich habe euch gerufen, um euch zu Meinen Arbeitern zu
machen und euch auf die Wege zu senden, damit ihr diese Gute
Nachricht verkündet. Doch zuvor erwarte Ich, dass ihr euren
Feinden zu vergeben lernt, all jenen, die euch Dornenkronen
aufgesetzt haben, allen, die euch Galle und Essig zu trinken gaben,
damit ihr sagen könnt, dass ihr nun stark genug seid, um hinauszuziehen
und den Samen der Vergeistigung auszustreuen.
29. Wenn dies einmal zutrifft, sollt ihr euch aufmachen, um zu
säen, und obwohl ihr auf eurem schmalen Wege geistiger Missionare
Leiden und Bitternissen begegnet, werdet ihr auch große Freuden
haben, die euch entschädigen werden. Wenn ihr weggeht, um
Meinen Liebessamen zu säen, so betet und habt Vertrauen.
Manchmal werdet ihr weinen, aber andererseits wird es vieles
geben, das euch Freude bereiten wird, wenn ihr Mein Gesetz erfüllt.
30. Ihr werdet Tränen und Freuden bei eurem Tagewerk
begegnen, bis ihr das Ende eures Sühneweges erreicht habt und zum
Verheißenen Lande gelangt, wo alles Friede, Harmonie und
vollkommenes Glück ist.
31. Zuweilen wird euer Kelch voll Honig sein, ein andermal
voll Bitterkeit, aber Ich sage euch nochmals, dass derjenige, welcher
betet, wacht und auf Mich vertraut, der Schwachheit nicht
unterliegen wird, denn sein Herz wird voller Glauben sein und er
wird niemals fähig sein, Mich zu verleugnen, denn seine Lippen
werden auf Erden unbeirrbar Meine Wahrheit verkünden.
32. Leidvoll und weit ist der Weg, aber Meine Liebe wird den
Durst eures Herzens stillen. Erinnert euch, dass Ich immer dann zu
den Menschen gekommen bin, wenn Ich gesehen habe, dass sie
nahe daran sind, vor Hunger oder Durst umzukommen.
33. Es spricht in diesem Augenblick Jener zu euch, der immer
zu eurer Rettung gekommen ist: Christus, die Göttliche Verheißung,
Mensch geworden in Jesus in der Zweiten Zeit, das zu Menschenwort
gewordene Göttliche Wort; der Geist der Liebe, des Lichtes,
der Weisheit, begrenzt in einem Strahl, welcher über das Gewissen
den Geist und den Verstand des Menschen berührt, um ihn zu
lehren, Meine Gedanken zu übermitteln.
34. Einige sagen Mir in ihren Herzen: "Herr, wie konntest Du in
dieser Weise bis in unsere Herzen herniederkommen?" — Ach
Meine Kinder! Habt ihr nicht zuweilen eine Mutter in ein
schmutziges Stadtviertel gehen sehen, wo eines ihrer Kinder seufzt
und sie anfleht, verkommen im Schmutz oder im Elend?
35. Nur diese Mütter könnten euch sagen, wie sie es fühlten,
dass die Herzschläge des verirrten Kindes sie riefen und um ihre
Gegenwart und mütterliche Liebe flehten im Vertrauen darauf, ihre
Vergebung zu erlangen.
36. Und Ich, der Ich Jener bin, welcher der Inbegriff jeder Liebe
ist, in welchem die Liebe aller Väter und aller Mütter ist, sollte
unempfindlich bleiben können beim Rufe eures Geistes? Sollte Ich
es unterlassen, zu dem Orte hinzueilen — wie immer dieser
beschaffen sein mag — wo eines Meiner Kinder dem Verderben
ausgeliefert ist und Mich ruft? Wie wenig wisst ihr doch von Mir,
obwohl Ich euch Meine Liebe in so vielen und so unbegrenzten
Formen kundgetan habe!
37. Erinnert ihr euch nicht, bei wie vielen Gelegenheiten Ich
Meine Liebe zu erkennen gab — nicht nur bei denen, die an Mich
glaubten, sondern auch bei jenem, der Mich verriet, und bei denen,
die Mich verfolgten und richteten? Jetzt könntet ihr Mich fragen,
was der Grund war, der Mich bewog, all jene Verhöhnungen
zuzulassen. Doch Ich antworte euch: Es war notwendig, dass Ich
ihnen völlige Freiheit der Gedanken und des Handelns ließ, damit es
passende Gelegenheiten gab, Mich zu offenbaren, und damit alle die
Barmherzigkeit und Liebe erfahren würden, die Ich die Welt lehrte.
38. Ich bewog das Herz des Judas nicht, Mich zu verraten; er
war Werkzeug eines bösen Gedankens, als sein Herz von Finsternis
erfüllt war. Doch angesichts der Untreue jenes Jüngers offenbarte
Ich Meine Vergebung.
39. Es wäre nicht nötig gewesen, dass einer der Meinen Mich
verriet, um euch jenes Beispiel von Demut zu geben. Der Meister
hätte sie bei jeder beliebigen Gelegenheit bewiesen, die Ihm die
Menschen geboten hätten. Jenem Jünger fiel es zu, das Werkzeug zu
sein, durch das der Meister der Welt Seine Göttliche Demut zeigte,
und auch wenn ihr dachtet, dass die Schwachheit jenes Menschen es
war, die den Tod Jesu herbeiführte, so sage Ich euch, dass ihr im
Irrtum seid, denn Ich kam, um Mich euch ganz hinzugeben, und
wenn es nicht auf diese Art gewesen wäre, so könnt ihr sicher sein,
dass es auf andere Weise geschehen wäre. Darum habt ihr kein
Recht, jenen zu verfluchen oder zu richten, der euer Bruder ist,
welchem in einem Augenblick der Verfinsterung die Liebe und die
Treue fehlte, die er seinem Meister schuldete. Wenn ihr ihm die
Schuld an Meinem Tode gebt — warum segnet ihr ihn nicht, da ihr
wisst, dass Mein Blut für die Rettung aller Menschen vergossen
wurde? Es wäre besser für euch, zu beten und zu bitten, dass
niemand von euch in Versuchung fällt; denn die Heuchelei der
Schriftgelehrten und Pharisäer existiert noch immer in dieser Welt.
40. Euch kommt es zu, zu beten und zu wachen, um immer
Werkzeug des Lichtes zu sein und niemals der Finsternis zu dienen.
Ich werde immer Gelegenheit haben, dieser ungläubigen und
materialistischen Menschheit die Wahrheit all dessen vor Augen zu
führen, was Ich ihr offenbart habe.
41. Ebenso wie früher lasse Ich dem Menschen heute die
Freiheit seiner eigenen Willensentscheidung, damit er Gebrauch
macht von der Gabe seines Willens und von sich aus zu Mir kommt.
42. Ich habe euch frei erschaffen — nicht für das Böse, sondern
frei wie der Lauf des Wassers, wie das Wachsen der Pflanzen, wie
der Gesang der Vögel.
43. Ich verlockte die Menschen seinerzeit nicht dazu, Mich zu
rufen oder Mich zu suchen, noch leistete Ich Widerstand, wenn sie
Mich zurückwiesen. Ich ließ zu, dass sie ihren Willen taten, um
hernach über alles Geschaffene hinweg nach Meinem Willen zu tun.
Damit will Ich euch sagen, dass Ich euch zu Mir kommen lassen
werde, indem ihr Gebrauch von eurem Willen macht. Denn wenn
man versucht, diese wunderbare Kraft, welche die Menschheit in
Bewegung hält, in eine andere Richtung zu zwingen, erreicht man
keine Vollkommenheit. Achtet also darauf, dass euer Wille der
Meine ist, und ihr werdet zum Endziel des Weges gelangen, welches
Mein Vaterherz ist.
44. Ich werde euch rufen, wie Ich es immer getan habe, ohne
jemals müde zu werden, und Meine Stimme wird Tag für Tag
liebevoll wiederholen: "Kommet zu Mir." Doch damit ihr Meinen
Ruf vernehmt, müsst ihr euer Herz reinigen, damit die unheilvollen
Kräfte, die der Tugend, der Reinheit und dem Guten entgegengesetzt
sind, in euch keine Verwandtschaft finden und, obschon sie euch
versuchen, euch nicht zu Fall bringen.
45. Die Tore Meines Reiches stehen offen, durch sie strömen
große Lichtfluten hinaus, deren Helligkeit bis zu dieser Welt gelangt
auf der Suche nach Herzen, Verstandesorganen und Geistern, um
sich auf ihnen niederzulassen.
46. Ich warne euch im voraus vor allem, denn Ich habe euch
bereits gesagt, dass es Kampf geben wird und dass Meine Lehre auf
vielerlei Arten bekämpft werden wird. Viele sind derer, die sich
Mühe geben werden, sie von der Erde verschwinden zu lassen; doch
bevor Meine Lehre verschwindet, müsste zuvor die letzte der Seelen
verschwinden, das heißt der letzte Mensch auf dieser Welt.
47. Fürchtet euch nicht, falls sie euch Gotteslästerer nennen
sollten, wenn ihr sagt, dass Der, welcher im Geiste zu euch sprach,
Christus Selbst war. Auch als Jesus in der Zweiten Zeit sagte, dass
Er der Sohn Gottes sei, empörten sich die Menschen. Ich werde ihre
Ungläubigkeit vergeben und zulassen, dass sie Mich nennen, wie es
ihnen am besten gefällt.
48. Viele werden verneinen, dass Ich zu euch durch den Mund
sündiger Menschen gesprochen habe. Doch dann werde Ich ihnen
sagen: Richtet euer Augenmerk nicht auf das Gefäß, bewertet den
Inhalt, und dann werde Ich die Reinheit Meiner Unterweisung auf
das Herz Meiner Leugner ausgießen. Sie werden Mich erkennen,
denn Ich habe ein Kennzeichen, um Meine Schafe zu rufen, und
diese erkennen die Stimme ihres Hirten.
49. Sie werden kommen und Mich auf die Probe stellen, weil
sie euch beweisen wollen, dass ihr euch in einem Irrtum befindet.
Wenn Ich ihnen Meinen Namen nicht nenne, werden sie sagen, dass
Ich nicht Ich bin, und wenn Ich ihre in schlechter Absicht gestellten
Fragen beantworte, werden sie Mich mit noch größerem Eifer
leugnen.
50. Dann werde Ich ihnen sagen: Wer das Reich des Lichtes
betreten will, muss es mit dem Herzen suchen. Doch jener, der ohne
Mich anzuerkennen leben möchte, wird seinem eigenen Geiste das
göttliche Wissen vorenthalten haben und so bewirken, dass alles,
was klare und lichtvolle Offenbarung ist, für ihn Geheimnis und
Mysterium ist.
51. Ich gebe euch Meinen Frieden, nicht jenen, den die Welt
verspricht, denn dieser ist nicht wahrhaftig, sondern nur der, den Ich
euch fühlen lasse. Tragt Meinen Frieden mit euch, denn der Weg,
den ihr betretet, ist mit Dornen besät, Ich weiß das. Die Menschheit
segelt in einem Ozean des Leidens. Die Sünde ist entfesselt, und ihr
habt nicht genügend Kräfte, um gegen all diese Nöte anzukämpfen.
Darum bin Ich gekommen, um euch Kraft zu geben und euch aus
diesem Chaos herauszubringen. Wann immer ihr den Weg verloren
habt und Unruhe fühlt, fragt ihr euch in eurer tiefen Verwirrung, ob
dies Mein Weg ist; doch Ich antworte euch, dass Ich euch immer den
rechten Weg weise.
52. Irgendein ungläubiges Herz fragt Mich an diesem Tage:
"Bist Du es, Meister, der zu uns spricht?" Und Ich antworte ihm: Ich
bin es, im Geiste und in der Wahrheit, und zeige Mich euch in
Demut innerhalb der Grenzen eures Begriffsvermögens, damit ihr
Mich erkennt und euch durch dies Licht erleuchten lasst, auf dass es
euch läutere und euer Herz zubereite, es wiederbelebe und ihm das
Geistige Leben zeige, das es erwartet.
53. Ich öffne in dieser Zeit das Buch Meiner Unterweisung. Ich
will, dass es vor euren Herzen aufgeschlagen bleibt und ihr euch
unermüdlich seine Lehren einprägt. Ich gebe euch Anweisungen,
denn nun ist die von Meiner Liebe angezeigte Stunde, in der Ich
euch zu Besitzern der Weisheit machen werde, die euch zukommt.
54. Rein seid ihr aus Mir hervorgegangen, doch im Laufe der
Zeit habt ihr eure Seele befleckt, und nach Läuterungen und
Mühsalen kommt ihr zu Mir, und Ich gebe euch den Wert und die
Gnade zurück, die ihr verloren habt. Ich kennzeichne euch mit
einem Siegel aus Licht, damit ihr von euren Mitmenschen erkannt
werdet. Ich habe euch Jünger genannt und will, dass ihr jenen der
Zweiten Zeit nacheifert. Seid ihr nicht einverstanden damit, dass Ich
euch erwählt habe? — Ihr sagt Mir im Stillen: "Dein Wille
geschehe". Noch kann Ich euch nicht an Meine Stelle lassen, noch
seid ihr nicht genügend zugerüstet, um zu lehren. Was könnte ein
Stimmträger weitergeben, auch wenn er die Gabe des Wortes hat,
wenn Mein Strahl ihn nicht erleuchten würde? Noch sind sie
unbeholfen und nur dafür vorbereitet, Meine Inspiration zu
empfangen und sie zu übermitteln; doch ihr Herz ist noch kein Born
der Barmherzigkeit und Liebe, weil sie unerfahren sind. Wohl
denen, die beim Hören Meines Wortes Glauben empfunden haben
und die, ohne dass Ich ihnen große Beweise gewährt habe, Mir ihre
Dankbarkeit darbringen.
55. Niemand ist zufällig gekommen, Ich habe euch hierhergebracht.
Doch wenn ihr mit Mir gesprochen habt, seid ihr es Mir
schuldig, Mich zu erkennen und Mich zu lieben. — Männer und
Frauen, die ihr bis heute in prächtigen Wohnungen gelebt habt:
Wollt ihr Mir nachfolgen? Wisst ihr nicht, dass ihr als Meine
Auserwählten gekennzeichnet seid und es Mein Wille ist, dass ihr in
Meinem Werke dient? Auch wenn ihr die Welt sehr geliebt habt,
sollt ihr heute das Geistige Leben lieben, euren Geschwistern dienen
und darauf eure Lebensfreude gründen. Doch wenn euch eure
Verwandten und Freunde um dieser geistigen Erfüllung willen
verkennen, so fühlt keinen Schmerz, seid stark und nehmt Mich zum
Vorbild.
56. Als Ich in der Zweiten Zeit unter euch lebte, fand Ich Meine
Kinder hochmütig geworden durch ihr Wissen und ihre Macht. Ich
wollte Mein Wort in ihre Herzen gelangen lassen und fand bei ihnen
Gleichgültigkeit gegenüber den Gaben des Geistes. Doch deshalb
wandte Ich Mich nicht ab von ihrem Weg. Um ihnen zu helfen, ihre
harten Herzen umzuwandeln, bereitete Ich Prüfungen vor, die sie
erleuchten sollten.
57. Bei einer Gelegenheit kam einer jener Männer, die Mein
Wort gehört hatten, ohne ihm Glauben zu schenken. Er kam voller
Angst, und Verzweiflung spiegelte sich auf seinem Angesicht wider,
weil er nicht die Mittel fand, um seiner Frau, die im Sterben lag, die
Gesundheit zurückzugeben. Vom Schmerz besiegt wandte er sich an
Mich, nachdem er vergeblich seine Wissenschaft zu Rate gezogen
hatte, ohne ein Heilmittel für die Krankheit zu entdecken, welche im
Begriffe war, das Leben seiner Gefährtin zu beenden, und sagte:
"Bist Du Der, der heilt?" Und Ich antwortete ihm: "Was ist es, das
dir am Herzen liegt, guter Mann?" Da sprach er und flehte um
Genesung für seine Frau. Ich sagte ihm: "Vielleicht ist Mein Wissen
unnütz, und die Kraft, mit der Ich ausgestattet bin, ist unwirksam?"
Doch Ich folgte seinen Schritten und gelangte zum Lager der
Todkranken und berührte ihre Stirne. Der Gatte blickte ungläubig
drein, während sie die Gesundheit zurückgewann. Die Frau erhob
sich und war gesund, und in voller Erkenntnis weinte sie vor Freude,
warf sich zu Boden und sprach zu Mir: "Meister, Du bist der
Göttliche Arzt, unser Gott. Warum erkennen sie Dich nicht und
folgen Dir nicht nach, obwohl Du solche Wunder tust?" "Warte,
Frau", antwortete Ich ihr, "es ist notwendig, dass Ich von euch gehe,
um verstanden zu werden; doch die, die Meine Wahrheit schon jetzt
erkennen, sind Auserwählte."
58. Ebenso wird es in der Dritten Zeit sein. Viele, die Meine
Kundgebungen und Wunder direkt miterlebt haben, haben nicht
geglaubt. Doch die Zeit vergeht und die Ereignisse, die eintreten
werden, werden sprechen und Zeugnis ablegen von all diesen
Wundern, und selbst dann werden sie noch neue Beweise fordern.
Andere sind Mir vom ersten Augenblick an nachgefolgt und sind bei
Mir. Dies sind solche, die mehr für ihren Geist als für ihren Körper
leben und die nicht gewartet haben, bis Ich zu sprechen aufhöre, um
zu verstehen, Wer sie gelehrt hat.
59. Wenn ihr, Meine Jünger, euch mit ein wenig Glauben
aufmacht und für die Menschheit wirkt, werdet ihr Wunder vollbringen,
denn Ich werde euch dazu gebrauchen, jenen Beweise zu
geben nach Meinem Willen, die diese erbitten.
60. Wenn die Zeit gekommen ist, werden keine Bücher in den
Händen Meiner Auserwählten sein, denn ihr Glaube und ihre guten
Werke werden sie zur Erfüllung ihrer Bestimmung führen.
61. Keiner, der Mir nachfolgen will, fürchte das Urteil seiner
Geschwister. Viele Furchtsame sagen Mir: "Wie kann ich Dir nachfolgen?
Wenn meine Eltern, meine Verwandten, meine Freunde
erfahren, dass ich dies Wort höre, werden sie mich nicht mehr
kennen, werden sie mich aus ihrer Mitte ausstoßen." Der Meister
spricht zu diesen Herzen und sagt ihnen: Nicht alle, die bei Mir sind,
sind in Frieden mit den Ihren; um Mir nachzufolgen, haben sie einen
Leidensweg durchlebt. Doch Ich frage jene, die ihnen Qual
bereiteten: Was an Bösem haben euch diese Geschöpfe angetan?
Warum habt ihr sie zum Weinen gebracht?
62. Es kommt nun eine Zeit größerer Gerechtigkeit und Strenge.
Ich will, dass ihr bis dahin Güte und Werke der Wahrhaftigkeit bei
euren Nächsten ausgesät habt, damit ihr ihre Früchte erntet.
Erwartet nicht, dass die Welt eure Werke der Barmherzigkeit
bezahlt. Lasst Mich eure Liebe zu den Menschen mit Meinem Segen
belohnen.
Mein Friede sei mit euch!

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