BWL - Band 6 - Unterweisung 166


Buch des Wahren Lebens - Lehren des Göttlichen Meisters -
Band V - Unterweisung 143 - 174
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Unterweisung 166:
1. Es ist ein Tag des Jubels für mein Volk, ein Tag des Friedens
für die, die herbeigekommen sind, mein Wort zu vernehmen. Als Ich
den Ersten dies Erbe übergab, sagte Ich ihnen, dass sie es pflegen
sollen, denn es sei wie ein kleiner Schößling, der später zu einem
dichtbelaubten und mächtigen Baume werden würde. Heute
kommen große Scharen herbei, um mein Wort zu vernehmen, womit
sie die Erfüllung meiner Ankündigung bezeugen.
2. Der Baum brachte Zweige hervor, und diese wurden abgelöst,
um auf anderes Erdreich gepflanzt zu werden. Doch wahrlich, Ich
sage euch, die einen wurden nach meinem Willen gepflanzt und
andere nach dem Willen der Menschen.
3. Ich habe euch vor langer Zeit gesagt, dass der Baum an seiner
Frucht erkannt wird, und in Bälde, wenn diese "Bäume" Früchte zu
tragen beginnen, werdet ihr erkennen, welche Art von Frucht ein
jeder trägt, ob sie gut ist oder nicht. Es gab Schößlinge, die anfangs
voller Saft und Kraft waren, die gute Früchte und wohltätigen
Schatten für die müden Wanderer verhießen, weil jener, der sie
pflegte, sich voll Liebe und Hilfsbereitschaft aufmachte und zur
Rettung des Verirrten wurde. Er antwortete mit lichtvollen Worten
auf die Fragen der Menschen, gab Licht den Blinden und Trost den
Kranken. Zeichen geschahen, und Wunder bewirkten seine Lippen
und Werke; Wahrheiten wurden durch Inspiration empfangen. Dies
geschah, weil der Vater angesichts des Eifers und der Inbrunst jener
Arbeiter diese mit Liebe und Weisheit überströmte. Als die
Menschenscharen die Hingabe jenes Jüngers sahen, als sie sich von
seiner Nächstenliebe und Aufrichtigkeit überzeugten, folgten sie
ihm auf weiten Wegen nach, folgten sie ihm auf die Bergeshöhe. Sie
gehorchten und glaubten ihm blindlings. Doch als jener sah, dass die
Menge ihm nachfolgte, dass die Menschen seiner Stimme
gehorchten, als ob sie ein Gesetz wäre, fühlte er in seinem Herzen
Eitelkeit und Größenwahn, und jenen vergessend, der ihm alles gab,
ohne den er nichts hätte tun können, verlor er die Demut und begann
sich seiner Verdienste und seiner Macht über andere zu rühmen. Er
fühlte sich vollkommen in der Ausübung meiner Lehre und
verkündete laut, ein wahrer Jünger und sogar Meister zu sein.
4. Ich sage euch, wer mit seinen Geistesgaben prahlt und nicht
mit Demut sät, dessen Ernte wird nichtig sein.
5. Ich könnte viele von denen, die laut verkündeten, Liebeswerke
zu tun, fragen: "Wo sind eure Anhängerscharen? Wo sind jene
geblieben, die euch nachgefolgt sind? Was wurde aus all jenen, die
Geistesgaben empfingen, um diese Samen zu verbreiten?" Und sie
müssten mir antworten, dass sie allein geblieben sind, weil jene, die
sie gefunden hatten, wieder in die Irre gegangen sind, jene, die
gesund wurden, wieder erkrankten, und die, die das Licht zu
erkennen begannen, in ihre Finsternis zurücksanken. Doch der
Meister fragt euch: "Warum geschah dies bei den von mir Unterwiesenen?"
— Weil sie von den empfangenen Unterweisungen nach
ihrem Verständnis und Gutdünken Gebrauch machten, weil sie
vorzeitig ans Werk gingen, das heißt, bevor sie die Lehre des
Meisters richtig erfasst hatten.
6. Jene, die bis zum rechten Zeitpunkt warteten, um studierend,
wachend und betend ans Werk zu gehen, sind diejenigen, die
standhaft bleiben, weil ihre Wurzeln tief hinab reichen und ihre Äste
Stürmen getrotzt haben. Diese brachen zu einer Zeit auf, als ihr Herz
nicht mehr zur Beute der Eitelkeit werden konnte. Aber dies ist ein
Tag des Friedens und der Vergebung, an dem Ich will, dass ihr alle
über meine Worte nachdenkt, damit ihr, wenn ihr zu eurem Baum
und zu euren Feldern zurückkehrt, alles berichtigt, was ihr an
Unvollkommenem getan habt. Noch ist es Zeit, den Baum geradezubiegen
und die Saat zu retten. Aber ihr müsst eure Anstrengungen vervielfachen.
7. Geht zurück auf euer Land, und wenn ihr euch von jenen
allein gelassen und vergessen seht, die euch blindlings gefolgt sind
und die ihr nicht halten konntet, so schützt die Wurzeln des Baumes,
schneidet jede schadhafte Frucht ab, beschneidet seine trockenen
Zweige, bewässert ihn, und ihr werdet aufs neue erleben, wie die
Wanderer im Verlangen nach seinem Schatten und seinen Früchten herbeikommen.
8. Gesegnet seien, die sich von ihrem eigenen Fall wieder
aufrichten, gesegnet, die zum Lichte auferstehen. Ihr werdet dann
erleben, dass sie mein erneutes Kommen verkünden, das die
Menschen Jahrhundert um Jahrhundert erwartet haben, und das
viele Tote selbst in ihren Gräbern erzittern lassen wird.
9. Wahrlich, Ich sage euch, jene göttliche Verheißung, als
Tröster-Geist zu euch zurückzukehren, hat niemand ausgelöscht,
weder die Zeit noch die Sünde, noch ganze Epochen, die über die
Menschen hinweggegangen sind. Ebenso wenig wird der Beweis für
meine Wiederkunft ausgelöscht werden, und am Ende werden sich
die Menschen meiner Wahrheit beugen.
10. Beim Hören meines Wortes lasst ihr euer Leben im Lichte
des Gewissens an euch vorüberziehen, und wenn mein Lehrwort zu
Ende ist, fühlt ihr euch von euren Verschuldungen, Trübsalen und
Gewissensbissen entlastet. Auch wenn ihr mein Wort durch
ungebildete Verstandesorgane empfangt, erzittert euer Wesen, weil
ihr in ihm ein Auge fühlt, das auf euch blickt, ein Ohr, das selbst
euren leichtesten Seufzer wahrnimmt, und eine Feinfühligkeit, die
fähig ist, selbst eure heimlichsten Gedanken zu lesen.
11. Am ersten Tag, an dem Ich zur Menschheit auf diese Weise
sprach, eröffnete Ich eine neue geistige Ära. Die Herzen, die bei
meiner göttlichen Kundgebung anwesend waren, fühlten sich von
Furcht, Ehrfurcht, Staunen und Seligkeit überwältigt. Deshalb ist
jene kleine Gruppe meiner ersten Jünger gewachsen und hat sich
vermehrt, bis sie zu den großen Gemeinschaften geworden ist, die
jetzt zugegen sind, um meine Unterweisungen zu vernehmen.
12. Unter diesen Scharen sind auch jene, die, nachdem sie mich
Jahr für Jahr gehört haben, sich an diese Kundgebung gewöhnt
haben und nicht mehr so ergriffen sind wie damals, als sie mir bei
den ersten empfangenen Lehren zuhörten. Dennoch, die Mehrheit
vernimmt mein Wort weiterhin mit wahrer Begeisterung, und ihre
Herzen schlagen schneller, wenn sie hier sind, um meine weise und
liebevolle Lehre zu hören.
13. Ich wollte die Herzen, die dies Wort empfangen, geistig
formen, um aus jedem einen tatkräftigen Arbeiter für die Tätigkeit
zu machen, die ihm angewiesen wurde — seiner Mission bewusst
und meinem Werke ergeben. Aber während die einen mir weiterhin
treu zugehört, gelernt und sich vervollkommnet haben, um würdig
zu sein, ihren Mitmenschen die durch ihr Studium und Nachdenken,
ihre Geduld, Anstrengung und Beharrlichkeit ausgereiften Früchte
anzubieten, haben andere Schmeicheleien gesucht, wollten unbedingt
aussäen, bevor die Zeit dafür gekommen war. Sie zogen vor
der angezeigten Zeit aus und haben das wenige gelehrt, das sie gelernt hatten.
14. Daher haben einige die empfangenen Unterweisungen
mystifiziert und meine Lehre aus Mangel an Kenntnissen nach
ihrem Gutdünken verändert, wodurch sie dem Erfolg derer
Schwierigkeiten bereiteten, die meine Lehre erst dann predigten, als
sie fähig waren, meine Unterweisungen zu befolgen.
15. Ich sage euch, wenn die Stunde schlägt, wird der Weizen der
guten Sämänner das Unkraut der Ungetreuen überwinden, und in
der Stunde der Auseinandersetzung wird die Welt erkennen, welche
ihr meine Wahrheit gebracht haben.
16. Wenn ihr hört, dass irgendein Spiritualist mit seinem
Auftrag prahlt und mit dem Geschrei durch die Welt zieht, dass er
einer der neuen Jünger Christi sei, könnt ihr sicher sein, dass sein
Mund Lügen verbreitet, denn der wahre Jünger dieses Werkes ist
jener, der nicht prahlt, der im stillen für den Ruhm seines Meisters
arbeitet und alle seine Mitmenschen wirklich liebt. Ihr werdet meine
guten Diener an ihrer Bescheidenheit erkennen.
17. Was wird schließlich mit denen geschehen, die meine
Lehren nicht den Geboten meines Gesetzes entsprechend ausüben?
— Sie werden geläutert und in einer neuen Mission alle ihre
Irrtümer berichtigen und alle ihre Flecken abwaschen müssen, bis es
ihnen gelingt, das Unkraut, das sie gepflegt hatten, in Weizen zu verwandeln.
18. Der Menge, die in diesen Augenblicken mein Wort
vernimmt, sage Ich: Vernehmt meine Unterweisung weiterhin voll
Ehrfurcht. Lasst nicht zu, dass sie aus eurem Gedächtnis schwindet,
ohne zuvor über sie nachgedacht zu haben. Trachtet nicht danach zu
lehren, wenn ihr nur schwache Kindlein seid. Ihr müsst abwarten,
bis ihr zu starken und zugerüsteten Jüngern werdet. Dann werdet ihr
sehen können, dass jeder Same, den ihr sät, keimen, wachsen,
blühen und Frucht tragen wird. Und Ich werde euch sagen: Ich
nehme euer Geschenk an, die Frucht des Saatkorns, das Ich euch
anvertraut habe.
19. Ich will euch noch nicht richten, denn wenn dies geschähe,
würde Ich nur wenige Verdienste bei euch finden. Ich komme zu
euch als Vater, um euch zu vergeben und eine weitere Zeitspanne als
eine kostbare Gelegenheit zu bieten, die ihr nutzen müsst und für die
ihr mir gegenüber euch verantwortlich zeigen werdet.
20. An diesem Tag der Gnade sage Ich euch, dass Ich der
Menschheit die Gegenwart und die Liebe Marias bekannt und
fühlbar gemacht habe, denn in ihr wird sich in dieser Zeit der "Neue
Bund" vollziehen. Maria in ihrer Sanftmut und Demut hat sich euch
gleichfalls mitgeteilt.
21. Der Vater hat seine Gnadengaben über dies Volk ausgegossen;
doch wahrlich, Ich sage euch, ihr müsst euch auch über
die Gegenwart der Göttlichen Mutter vor mir verantwortlich zeigen.
22. Ich ziehe euch zur Rechenschaft, ja — weil Ich will, dass ihr
euch dessen voll bewusst seid, was Ich euch gewährt habe. Aber im
Kern dieser Rechenschaftsforderung liegt mein liebendes Erbarmen.
23. Die Welt kennt mein Werk und meine Kundgabe in dieser
Zeit nicht, weil ihr euch davor gescheut habt, diese Lehren vor den
Menschen zu verkünden. Aber die neuen Generationen werden sie
kennenlernen und eure Reihen verstärken. Wahrlich, Ich sage euch,
der Name Jesu und der Marias sind im Werke der Erlösung vereint;
und da die Menschen in dieser Zeit mit ihrem Herrn keinen Bund zu
schließen verstanden, wird der Name der Mutter das Symbol der
Vereinigung und der Brüderlichkeit unter den Menschen sein.
24. Die Gewalt der Elemente wird die Stimme sein, die jene
Menschen erweckt, die hartnäckig im Finstern leben wollen, und
nicht Ich werde sie richten. Sie werden durch ihre eigenen Taten
dem Gericht anheimfallen.
25. Die Menschen haben sich selbst ihre Aufgaben geschaffen,
die ursprünglich lauter waren, die sie aber durch ihre Sünde befleckt
und durch ihre Wissenschaften geschändet haben, und von denen
viele sich am Egoismus, am Hass und am Hochmut inspirieren.
26. Höret: In der Ersten Zeit schloss Ich einen Bund mit
Abraham und seinen Nachkommen. Diesen Bund vergaßen die
Kinder jenes Volkes. Ich schloss einen Bund mit Moses, der Israel
aus der Knechtschaft befreite. Doch im Laufe der Zeit vergaßen die
Menschen den Bund aufs neue.
27. In der Zweiten Zeit kam Ich zur Welt; meinen Bund mit den
Menschen besiegelte Ich mit meinem Blut, und dieser Liebesbund
hatte genügend Kraft, um meinen Kindern den Weg zu lehren, auf
dem die Menschen aller Zeiten alle ihre Sünden abtragen können.
Denn Ich besiegte in Jesum den Tod, siegte über die Finsternis,
verwandelte den Schmerz in göttliche Passion und bahnte den
Seelen den Weg zum Licht.
28. Heute habt ihr vernommen, dass Ich mit euch einen neuen
Bund schließen will, denn Ich finde euch weder in mir, noch
untereinander vereint, und es ist mein Wille, dass ihr in dieser
Dritten Zeit, im Schoße des sechsten Siegels, den Bund der Liebe
und Brüderlichkeit in mir schließt.
29. Ihr alle befindet euch innerhalb des sechsten Siegels,
welches eine Etappe ist, ein Kapitel des Buchs der sieben Siegel,
dessen Inhalt die Weisheit Gottes und die Vervollkommnung der Seelen ist.
30. Neue Generationen werden kommen und werden das Werk
der Dritten Zeit erkennen, in der ihr die ersten Schritte tatet. Sie
werden eure Arbeit fortsetzen, und wenn dann die verschiedenen
Rassen und Völker einander schließlich als Geschwister lieben,
wenn die Menschen ihre Gefühle des Hasses überwunden haben,
wird das Werk des Heiligen Geistes im Herzen der Menschen gegründet sein.
31. Schon in der Ersten Zeit lehrte Ich euch, den siebten Tag mir
zu weihen. Da der Mensch sich sechs Tage lang der Erfüllung seiner
weltlichen Pflichten widmete, war es nur recht und billig, dass er
wenigstens einen dem Dienste seines Herrn weihte. Ich forderte
nicht von ihm, dass er mir den ersten Tag widmete, sondern den
letzten, damit er in ihm von seinen Arbeiten ausruhe und sich der
geistigen Betrachtung* widme, damit er seinem Geist Gelegenheit
böte, sich seinem Vater zu nähern und durch das Gebet mit ihm zu sprechen.
* Spanisch "meditaeiön" = Meditation, Kontemplation; auch:
Nachsinnen, innere Versenkung, geistige Betrachtung.
32. Der Tag der Ruhe wurde eingesetzt, damit der Mensch im
Vergessen des harten irdischen Lebenskampfes — und sei es auch
nur für eine kurze Zeitspanne — seinem Gewissen die Möglichkeit
gäbe, zu ihm zu sprechen, ihn an das Gesetz zu erinnern, und er sich
selbst erforsche, seine Verfehlungen bereue und er in seinem Herzen
edle Vorsätze zur Umkehr fasse. Der Sabbat war der Tag, der früher
der Erholung, dem Gebet und dem Studium des Gesetzes gewidmet
war. Aber das Volk vergaß bei der Befolgung der Tradition die
brüderlichen Gefühle gegenüber den Mitmenschen und die geistigen
Pflichten, die es gegenüber seinen Nächsten hatte. Die Zeiten
vergingen, die Menschheit entwickelte sich geistig, und Christus
kam, um euch zu lehren, dass ihr auch an den Tagen der Ruhe
Nächstenliebe üben und alle guten Werke tun sollt.
33. Jesus wollte euch damit sagen, dass zwar ein Tag der
Besinnung und körperlichen Erholung gewidmet ist, ihr jedoch
begreifen sollt, dass für die Erfüllung der Mission des Geistes weder
Tag noch Stunde vorherbestimmt werden konnte.
34. Obwohl der Meister mit größter Klarheit zu euch
gesprochen hat, wichen die Menschen davon ab und jeder wählte
den Tag, der ihm am passendsten war. Während daher die einen
weiterhin den Sabbat als den der Ruhe geweihten Tag beibehielten,
wählten andere den Sonntag, um ihre Gottesdienste zu feiern.
35. Heute spreche Ich ein weiteres Mal zu euch, und meine
Unterweisungen bringen für euch neue Erkenntnisse. Ihr habt viele
Erfahrungen durchlebt und euch entwickelt. Heute ist es nicht
wichtig, welchen Tag ihr der Erholung von der irdischen Mühsal
widmet, wohl aber, dass ihr wisst, dass ihr alle Tage auf dem Wege
wandeln sollt, den Ich euch vorgezeichnet habe. Begreift, dass es
keine festgesetzte Stunde für euer Gebet gibt, denn jede Tageszeit ist
geeignet, zu beten und meine Lehre zum Wohle eurer Mitmenschen auszuüben.
36. Ich will, dass in eurem Geiste immer Licht, Inspiration und
Liebe wohnt, dass der Verstand und das Herz der Spiegel des
Geistes ist, und dass sich in ihm dessen Tugenden widerspiegeln und
in glanzvollen Ideen und edlen Gedanken und Gefühlen zum
Ausdruck kommen. Dann werdet ihr euch bewusst werden, wie
vollkommen die Harmonie ist, die zwischen dem Geist und dem
Körper, zwischen dem Geistigen und dem Menschlichen, zwischen
den Gesetzen und Pflichten des Geistes und den Gesetzen und
Pflichten der Welt besteht. Schließlich werdet ihr feststellen können,
dass das ganze Leben mit seinen Prüfungen und Lektionen ein
einziges Ziel hat: die Vervollkommnung des Geistes, durch die er
Ruhe und wahres Glück im Reiche des Herrn erfahren wird.
37. Zuweilen denkt und sagt ihr: "Wozu soll dies Dasein gut
sein, da es uns nichts Gutes beschert und wir keinen Nutzen von ihm
haben?" Wenn jemand so denkt, dann nur, weil er verhindert, dass
das Licht in seinem Geiste erstrahlt. Er meint, das Leben sei sinnlos,
weil es ihm nicht möglich war, alle seine Wünsche zu erfüllen, denn
er hätte gerne alles nach seinen Vorstellungen gehabt. Er glaubt
dann, dass auch er unnütz ist, und das nur, weil er den Sinngehalt
meines Wortes nicht erfasst und ergründet hat.
38. Der geistige Teil des Menschen schlummert noch, deshalb
hat er so viele nutzlose Leben gelebt.
39. Ich könnte euch nötigen und zwingen, meine Gebote zu
erfüllen, doch dann wären eure Verdienste nicht real, euer Fortschritt
wäre nicht echt. Ich lasse zu, dass das Leben, in dem ihr — ohne es
zu merken — für euch selbst Lektionen und Prüfungen schafft, euch
die wahre Lehre erteilt, die manchmal schmerzlich ist, je nachdem
wie eure Werke waren. Doch inmitten der Prüfung sendet euch mein
Geist das Licht, das euren Geist erreicht — zuweilen in sanfter Art,
doch gelegentlich auch als unerbittlicher Richter, damit ihr erwacht
und die Stimme des Gewissens vernehmt, welche meine eigene Stimme ist.
40. Ich frage euch: Wollt ihr nützlich sein und fühlen, dass auch
euer Dasein nützlich ist? Dann lernt von meinem Worte — jenem,
das Ich euch in vergangenen Zeiten gab, und diesem, das ihr heute
hört, denn beide ergänzen einander. Aber glaubt nicht, dass ihr durch
bloßes Wiederholen meiner Sätze und Lebensregeln bereits meine
Lehre verwirklicht habt. Nein, wer nicht zu lieben versteht, wird
nicht fähig sein, die göttlichen Worte zu verkünden und das zu
erfüllen, was sie lehren.
41. Die Liebe ist der Ursprung und der Grund für euer Dasein, o
Menschen. Wie könntet ihr ohne diese Gabe leben? Glaubt mir, es
gibt viele, die in sich den Tod tragen, und andere, die krank sind, nur
weil sie niemanden lieben. Der Heilbalsam, der viele gerettet hat, ist
die Liebe gewesen, und die göttliche Gabe, die zum wahren Leben
auferweckt, die erlöst und erhebt, ist gleichfalls die Liebe.
42. Deshalb sagt der Meister euch Kindlein, die ihr diese Unterweisung
vernommen habt: Beginnt von diesem Tage an zu lieben.
Lasst alle eure Werke gegenüber anderen von dieser Empfindung
durchdrungen sein, und lasst sie auch in die Worte und Gebete
einströmen, die ihr mir weiht.
43. Wisset, dass das Wort, das keine Liebe in sich hat, weder
Leben noch Kraft besitzt. Ihr fragt mich, wie ihr zu lieben beginnen
könnt und was ihr tun müsst, damit in euren Herzen diese
Empfindung erwacht, und Ich sage euch dazu: Womit ihr beginnen
müsst, ist, zu beten verstehen. Das Gebet wird euch dem Meister
näherbringen, und dieser Meister bin Ich.
44. Im Gebet werdet ihr Trost, Inspiration und Kraft finden, es
wird euch die köstliche Befriedigung schenken, mit Gott ohne
Zeugen und Vermittler vertraulich sprechen zu können. Gott und
euer Geist sind in diesem süßen Augenblick der Vertraulichkeiten,
der geistigen Zwiesprache und der Segnungen vereint.
45. Bereitet euch, Jünger, denn Ich will mich euch offenbaren.
Ihr alle bringt Sorgen und Nöte vor mich, doch Ich sage euch:
Warum fürchtet ihr euch? Habt ihr nicht meinen Blick voll
Erbarmen auf euch ruhen gefühlt? Macht euch meine Gegenwart
nicht stark? Gebt nicht Anlass dafür, dass Ich meine Worte der
Zweiten Zeit wiederhole und euch sage, dass ihr kleingläubige
Menschen seid, dass ihr, obwohl Ich euch so nahe bin und ihr mich
zu kennen behauptet, mir nicht vertraut habt.
46. Immer, wenn ihr euer Gebet emporsendet und mich sucht,
werde Ich bei euch sein. Mein Wort und die Gebote, die Ich euch zu
allen Zeiten gegeben habe, werden euch meine Unterweisung durch
euer Gewissen geben. Werdet reich an Kraft und Zurüstung. Bringt
dies Wort des Lebens überallhin zu den Herzen, die Trost und Licht
benötigen, denn Ich habe euch Sämänner der geistigen Felder genannt.
47. Da ihr reich an meinen Gnadengaben seid und das, was ihr
empfangen habt, ein unerschöpflicher Schatz an Unterweisungen ist,
sollt ihr dies Wissen liebevoll weitergeben. Geht zu anderen Bedürftigen,
zu denen, die auf Erden kein Wohlwollen, Ansehen oder
keine Achtung genießen. Sucht die Waisen, die Witwen, die
unheilbar Kranken auf und steht ihnen uneingeschränkt bei. Schenkt
ihnen jenen geistigen Balsam, der vom Grunde der Seele in
überschwänglichem Maße aufsteigt, und achtet dabei mehr auf ihre
Seele als auf ihren Körper.
48. Ich habe die Schar der Arbeiter aus Männern und Frauen
gebildet, da nicht nur der Mann mein Gesetz auszulegen versteht.
Die Frau, begabt mit schönen und edlen Empfindungen, ist schon
immer Mitarbeiterin meines Werkes der Erlösung gewesen. Auch
auf sie übertrage Ich in dieser Zeit die Verantwortung für die gute
Erfüllung meiner Weisungen. Ich lasse beide vereint über dies euch
anvertraute Werk wachen.
49. Mein Volk, Ich bleibe für kurze Zeit durch dieses Verstandesorgan*
bei euch. Ihr habt gebetet, und im Augenblick der
höchsten Erhebung habt ihr in der Stille eurer Herzen den liebevollen
Gruß des Meisters vernommen, der euch gesagt hat: "Friede
sei mit euch." Ihr seid euch der Wirkung bewusst geworden, die das
Gebet hat, und habt die unermessliche Macht begriffen, die ihm
innewohnt, wenn ihr es emporsendet — sowohl, um einem geistigen
Bedürfnis abzuhelfen, als auch, um die Lösung einer materiellen
Notsituation zu erbitten.
* Damit ist der Verstand vor allem hinsichtlich der Sprechfähigkeit des
Stimmträgers gemeint.
50. Erinnert euch, dass es oftmals genügt hat, das Wort "Vater"
auszusprechen, um euer ganzes Wesen erbeben zu lassen und um
eurem Herzen das Gefühl zu geben, von dem Trost, den seine Liebe
schenkt, durchflutet zu werden. Wisset, dass immer dann, wenn euer
Herz mich mit Innigkeit nennt, auch mein Geist vor Freude erbebt.
51. Wenn ihr mich "Vater" nennt, wenn dieser Name aus eurem
Innern hervorbricht, wird eure Stimme im Himmel vernommen, und
ihr entreißt der göttlichen Weisheit irgendein Geheimnis.
52. Lasst nicht zu, dass es nicht nur eure Lippen sind, die mich
"Vater" nennen, denn viele von euch pflegen dies mechanisch zu
tun. Ich will, dass das Gebet "Vater unser, der Du bist im Himmel,
geheiligt werde Dein Name", dies Gebet aus reinem und tiefstem
Herzen kommt und ihr über jeden Satz nachsinnt, damit ihr danach
inspiriert und in vollkommener Gemeinschaft mit mir seid.
53. Ich habe euch das machtvolle, vollendete Gebet gelehrt,
welches das Kind wirklich dem Vater näherbringt. Wenn ihr das
Wort "Vater" mit Inbrunst und Ehrfurcht, mit Erhebung und Liebe,
mit Glaube und Hoffnung aussprecht, schwinden die Entfernungen,
der Raum verschwindet, denn in diesem Augenblick der
Zwiesprache von Geist zu Geist ist weder Gott ferne von euch, noch
seid ihr ferne von ihm. Betet so, und ihr werdet in eurem Herzen mit
vollen Händen die Wohltat meiner Liebe empfangen.
54. Dann werdet ihr mich mit eurem geistigen Blick schauen,
wie Ich euch vorangehe, so, wie es der Hirte bei den Schafen tut. Ihr
werdet das göttliche Licht euren Lebensweg erhellen sehen und
meine Stimme hören, die, um euch auf eurem Wege zu ermutigen,
unablässig wiederholt: "Seid stark, bleibt nicht stehen, jeder Schritt
nach vorne wird euch eurem Vater näherbringen."
55. An diesem Tage, o Jünger, habe Ich zu euch ein weiteres
Mal über die Liebe und das Gebet gesprochen, damit ihr die Gnade
begreifen lernt, die ihnen innewohnen, und auch ihre Wirkungskraft,
damit ihr den hohen Lohn erlangt, den meine Vaterliebe euch
verheißen hat.
Mein Friede sei mit euch!

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