BWL - Band VIII - Unterweisung 210


Buch des Wahren Lebens - Lehren des Göttlichen Meisters -
Band VIII - Unterweisung 208 - 241

Unterweisung 210:
1. Ich komme, um euch von der Qual zu befreien, in die euch
euer Materialismus gestürzt hat, und bringe euch die Leuchte, mit
der ihr euren Weg erhellen könnt.
2. Ihr seid die Menschen der Dritten Zeit ─ jene, die den Grund
für ihr Leben wirklich erkennen werden, und Ich helfe euch dabei,
diese Erkenntnis mit Hilfe meiner Offenbarungen zu erlangen.
3. Ihr seid die Menschen der Neuen Zeit, in der mein Reich euer
Herz sucht, um in ihm auferbaut zu werden; in dem ihr das Gute zu
eurem geistigen Ideal machen und lernen werdet, dass das beste
Gebet das eurer Werke ist.
4. Die Liebe und die Wahrheit gehören zur Geistseele, ihr
entspringt die Weisheit, weil sie geschaffen wurde, um ihren Vater
zu lieben und kennenzulernen.
5. Ich, der Meister, rüttle euch mit den Erinnerungen an eure
geistige Vergangenheit auf, die euer Herz nicht kennt, weil sie eurer
Geistseele zugehören, als diese ihr wahres Dasein lebte, als eure
Welt eine andere war, und ihr noch nicht in dem Körper wohntet,
den ihr jetzt habt, welcher Prüfstein, Amboss und Lektion für die
Seele ist.
6. Ich bringe euch Erinnerungen an das Geistige Leben, das
hinter dem Schleier eurer Körperlichkeit verborgen ist, um euch zu
sagen, dass jenes Leben euch erneut erwartet, damit ihr es nach
eurer Pilgerschaft, eurer Erfahrung und eurer Entwicklung in vollem
Maße genießt.
7. Wenn ihr wieder in der ewigen Heimat seid und die Seligkeit
fühlt, in ihr zu leben, werdet ihr nicht müde werden, diese Welt der
Tränen zu segnen, zu der ihr kamt, um zu lernen, die Glückseligkeit,
den Frieden, das Licht zu schätzen.
8. Meine Wiederkunft ─ jetzt im Geiste ─ hat den Zweck, euch
an den Weg des Gesetzes zu erinnern, der euch mit dem Absoluten
vereinigen wird, der euch in die universelle Harmonie eingehen
lassen wird. Wenn ihr dann einen Teil jener göttlichen Harmonie
bildet, wenn ihr euch dann vom Brot meiner Weisheit nährt, werdet
ihr wirklich wissen, wer ihr seid.
9. Was könnte euch auf der Welt zum Weinen bringen, wenn ihr
über den Armseligkeiten des menschlichen Lebens steht? Weder die
Leiden, noch die Nöte, noch die moralischen Prüfungen, noch die
Naturgewalten ─ nichts wird euch besiegen oder entmutigen
können, wenn ihr einmal wahre Vergeistigung erreicht habt.
10. Eure Leiden werden um der andern willen sein, eure Sorgen
werden der Rettung aller Menschen gelten, und immer, wenn ihr die
Rettung eines Menschenwesens seht, werdet ihr das Licht des Vaters
euer Inneres erhellen fühlen, und ihr werdet den Tag segnen, an dem
ihr den ersten Schritt auf dem Wege getan habt.
11. Mein Wort ist der geistige Weg, den ihr mit all euren Sinnen,
eurem ganzen Verstandesvermögen und all eurer Liebe gehen müsst,
wenn ihr wissen wollt, woher ihr gekommen seid und wohin ihr
geht.
12. Noch kennt sich niemand. Wenn ihr nicht einmal euren
Körper kennt ─ wie wollt ihr dann eure Seele kennen? Aber ihr
werdet euch in dem Maße kennenlernen, in dem ihr meine
göttlichen Unterweisungen zur Anwendung bringt.
13. Ich lehre euch durch das Wort, denn es enthält alles, da es
von Mir kommt, der Ich "Das Wort" bin. Lernet, vom Geistigen in
der Weise zu sprechen, dass jedes Wort, das ihr an andere richtet,
von eurem Herzen in das Herz eures Bruders geht, als ob es eine
Perle, ein Juwel von unschätzbarem Wert wäre.
14. Lernt, zu den Seelen zu sprechen, lehrt sie, die Stimme ihres
Gewissens zu hören, macht ihre Sinne durch meine Unterweisungen
feinfühlig.
15. Seht, wie alle meine Sätze auf den Weg führen, der die
Richtung weist. Obwohl ihr sie derzeit noch oberflächlich
betrachtet, werdet ihr morgen, wenn ihr eine höhere Ebene betreten
könnt, in meinem Worte nur Wesentliches entdecken.
16. Ich komme nicht zu dir herab, Volk. Wenn Ich euch sage,
dass Ich zu euch herabgekommen bin, so ist dies sinnbildlich
gemeint. Denn meine Kundgabe geschieht durch eine Inspiration,
die im Verstande dieser Stimmträger zu Gedanken wird. Da Ich
weiß, dass ihr in dem Augenblick, da ihr diese Botschaften
vernehmt, sie nicht verstehen, nicht einmal im Gedächtnis behalten
könnt, habe Ich angeordnet, dass ihr meine Worte niederschreibt,
damit ihr das, was ihr derzeit nicht versteht, morgen nach und nach
begreift.
17. Dem Anschein nach ist meine Kundgebung in dieser Zeit
wenig eindrucksvoll, weil ihre Pracht geistig ist. Doch ihr werdet
die Herrlichkeit, mit der Ich zu euch gekommen bin, noch fühlen
und werdet diese Lehre das Wunder vollbringen sehen, die
Menschheit durch Vergeistigung zu retten.
18. Der geistige Tempel, der von den Kindern des Herrn mit
Liebe errichtet wird, wird von vielen Säulen getragen. Jede von
ihnen wird einer von denen sein, die standhaft auf dem Wege meines
Gesetzes bleiben.
19. Ihr haltet das nicht für möglich? Das kommt daher, weil ihr
noch nicht Glauben an euch selbst habt. Ich jedoch habe Glauben an
alle, habe ihn immer gehabt, und deshalb habe Ich euch im Laufe
der Zeit neue und immer größere Offenbarungen anvertraut.
Wahrlich, Ich sage euch, der Tag ist nicht ferne, an dem ihr euren
Mitmenschen Unterweisungen von tiefer Weisheit geben werdet ─
doch nicht durch das Wort, das man studiert, sondern durch jenes,
das der Quelle des Geistes entspringt, wenn er in Gemeinschaft mit
dem Göttlichen Meister ist.
20. Warum sollte es nicht möglich sein, dass aus unfruchtbaren
Herzen gute Gefühle sprießen? Warum sollte es nicht möglich sein,
dass aus dem Herzen dessen, der gesündigt hat, Wasser der Gnade
fließen, um den Durst derer, die leiden, zu löschen?
21. Ihr seid nicht nur Verstandesorgane, die heute denken und
morgen nicht mehr. Ihr seid nicht nur Fleisch, das heute lebt und
bald aufhört zu existieren. Für Mich seid ihr vor allem ewige Seelen,
Kinder Gottes, und daher zeichne Ich euch den Weg vor, der euch
wirklich entspricht.
22. Ich will euch nichts von dem vorenthalten, was Ich zur
Erhaltung, Gesundheit, zum Unterhalt, Wohlergehen und zur Wonne
meiner Kinder in die Natur hineingelegt habe. Im Gegenteil, Ich
sage euch: Ebenso, wie Ich euch das Brot des Geistes anbiete und
euch dazu einlade, göttliche Essenzen einzuatmen und euch an
geistigen Ausströmungen zu sättigen, so sollt ihr nicht verkennen
noch euch von all dem abwenden, was euch die Natur beschert.
Denn so werdet ihr Harmonie, Gesundheit, Kraft erlangen und daher
die gute Erfüllung der Gesetze des Lebens.
23. Du weißt, dass Ich dein Führer bin, Volk. Doch sagt Mir:
Wenn Ich euer Führer bin ─ fühlt ihr Mich schon in euren Herzen,
gehorcht ihr Mir schon, befolgt ihr bereits meine Gebote und meine
Gesetze? Wenn Ich euer Führer bin ─ bis zu welchem Punkt
gehorcht ihr Mir?
24. Die Stimme des Gewissens antwortet aus eurem Innern und
sagt mir, dass eure Opferbereitschaft nicht absolut ist, dass euer
Gehorsam nicht beständig ist.
25. Vergesst nicht einen Augenblick lang, was Ich euch in
meinem Worte sage: Wer meine Gesetze befolgt, erfährt meinen
Frieden. Daher fühlen sich die, die mein Wort kennen, nicht einsam
noch traurig. Denn die Worte "Unglück", "Verdammnis" und "Tod"
verfolgen sie nicht wie eine Drohung oder wie ein Schatten über
dem Frieden ihrer Seele. Sie sind darum bemüht, die Wahrheit
kennenzulernen, im Lichte zu leben, für immer Gesundheit, Frieden
und Weisheit zu erlangen.
26. Diejenigen, die auf dem Pfade meiner Unterweisung zu Mir
kommen, wissen, dass sie sich nicht verirren können, denn ein
göttliches Licht führt sie. Es ist jenes Licht, das ihnen die
Gewissheit des Zieles und des wahren Sinnes ihres Lebens gibt.
27. Mein Weg ist der Weg des Guten, Jünger. Geht auf ihm
Schritt für Schritt und besät ihn mit guten Werken, guten Gedanken
und guten Worten. Aber rechnet niemals eure guten Werke nach, im
Gegenteil rate ich euch, eure schlechten Werke, Worte und
Gedanken aufs Genaueste festzuhalten, damit ihr immer weniger
Fehler begeht.
28. Überlasst den guten Samen, den ihr geerntet habt, Mir und
nehmt ihr den schlechten Samen. Untersucht ihn, damit ihr den
Grund für eure Schwachheit erkennt. Achtet darauf, dass er nicht
mit dem guten Korn vermischt wird und es dann verdirbt.
29. Nur die Güte kann Frieden, Freude, Gesundheit, Verständnis
schenken. Daher wird der, der voller Liebe ist, groß im Geiste sein.
30. Dies ist es, was Ich euch lehrte, als Ich bei euch auf der Welt
lebte, und daran erinnere Ich euch heute. So, wie Ich in Jesus die
Kranken durch Berührung mit meiner Hand heilte, so berühre Ich
sie auch in dieser Zeit, um ihnen die Gesundheit zurückzugeben und
sie erneut am Wunder des Lebens teilhaben zu lassen.
31. Heute habe Ich keine materiellen Hände, um euren kranken
Körper zu berühren, weil Ich im Geiste komme. Doch der Geist
kann euch mit seiner Liebe gleichfalls berühren und euch seine
Gegenwart fühlbar machen.
32. Die blinden Menschen jener Zeit ─ seelisch blinde ─
vergossen das Blut des Meisters und durchbohrten die Hände, die
durch Berührung heilten, die streichelten und segneten; doch sie
konnten meinen Geist weder zerstören, noch gefangen nehmen,
noch festnageln. Er erhob sich über die Armseligkeit der Menschen
und versprach wiederzukommen. Denn zu jenem Zeitpunkt wurde er
nicht erkannt, noch wurde sein Wort als höchste Wahrheit begriffen.
33. Hier bin Ich in Erfüllung meiner Verheißung und erwarte,
dass die Menschheit Mich erkennt.
34. Doch wenn Ich euch fragen würde: Was wurde aus jenem
gesegneten Körper, in dem Christus wohnte? Könntet ihr Mir
antworten? Ich werde euch selbst sagen müssen, dass jener Körper,
der ein Werkzeug der Göttlichen Liebe war, nachdem er sein Werk
beendet hatte, nachdem seine Lippen und auch seine Augen sich für
immer geschlossen hatten, der Erde übergeben wurde, um seine
Aufgabe als Menschenkörper zu Ende zu bringen. Aber als die Erde
ihn in ihrem Schoße aufgenommen hatte, verteilten sich die
Bestandteile jenes Körpers, dessen Zellen nur von Liebe
durchdrungen waren, in der Unendlichkeit, um hernach als
lebenspendender Regen auf eben jene Menschen niederzugehen, die
das Leben, das der Erlöser ihnen brachte, verschmäht hatten.
Wenn ihr daran denkt, dass Gott Selbst Mensch wurde, um mit
euch zu leben, werdet ihr euch fälschlicherweise einbilden, vom
Vater so sehr geliebt zu werden, und dann denkt ihr auch, dass ihr
das Meisterwerk des Herrn seid. Doch wahrlich, Ich sage euch, es
gibt kein Werk des Vaters, das nicht meisterlich ist, und außerdem
müsst ihr wissen, dass es Seelen gibt, deren Vollkommenheit,
Schönheit und Erhabenheit ihr euch nicht einmal vorstellen könnt.
35. Jenseits von euch gibt es größere Werke als die, die ihr hier
kennt, und auch Werke eurer Geschwister, die höher stehen als die
Werke der Menschen.
36. Weshalb glauben, dass der Mensch das Größte ist, was heute
unter den Werken des Herrn existiert? Ihr seid nur kleine Geschöpfe,
die im Verlangen nach der wahren Größe einen weiten Weg
zurücklegen.
37. Groß und vollkommen seid ihr insofern, als ihr mein Werk
seid. Aber was eure Werke anbelangt, seid ihr noch sehr klein und
unvollkommen. Daher offenbare Ich Mich als Meister unter euch,
um euch neue Offenbarungen zu geben, die euch auf den Gipfel des
Guten, des Wissens, der Liebe bringen und euch harmonisch mit
allem Vollkommenen vereinen.
38. Wie soll es in eurer Welt Vollkommenheit geben, wenn es
Schmerz gibt, wenn es Notleidende, Lasterhafte, Verletzte, Unterdrückte
gibt, wenn es Hochmütige, Selbstsüchtige und sogar Mörder
gibt?
39. Die Glückseligkeit ist das Vorrecht der hohen Heimstätten;
doch in eurer Welt sehe Ich noch keine Glückseligkeit.
40. Heute hinterlasse Ich euch mit diesem Worte meine neue
Botschaft, damit ihr zu einem neuen Leben aufsteigt.
41. Schafft euren Frieden, schafft eure Welt der Glückseligkeit,
indem ihr hierfür die Wirkungskraft meiner Unterweisungen
verwendet.
42. Ihr habt zwar viel gekämpft, um euch Annehmlichkeiten,
Genüsse und Fortschritte zu verschaffen. Aber eure Ziele beinhalten
oftmals Egoismus, schlechtes maßloses Machtstreben. Anstatt Glück
oder Frieden zu erlangen, erntet ihr dann Schmerz, Krieg und
Zerstörung. Das ist es, was ihr in der heutigen Zeit erntet.
43. Wie sollten eure Werke auf Erden vollkommen sein, wenn
ich euch mit den Elementen der Natur verfeindet sehe, welche eben
jene sind, von denen ihr lebt?
44. Meine Lehre will euch nicht daran hindern, die Elemente
und Kräfte der Natur zu nutzen, aber sie heißt und lehrt euch, sie für
gute Zwecke zu verwenden.
45. Die Naturkräfte können sich in euren Händen von Freunden
und Brüdern in Richter wandeln, die euch schwer bestrafen.
46. Es war längst an der Zeit, dass die Menschen die Frucht der
Erfahrung ernten, damit sie nicht länger die Naturgewalten herausfordern.
Denn sie werden mit all ihrer Wissenschaft nicht imstande
sein, sie aufzuhalten.
47. O Menschheit ─ immer ferne von Mir! Trotz eures
Vergessens löst sich meine Erinnerung nicht von dir, Welt, die mit
meinem Blute getränkt ist: Ich bringe dir aufs neue meine Liebe.
48. Erinnert ihr euch an meine beispielhaften Taten in der
Zweiten Zeit? ─ So höret:
49. Ich befand Mich außerhalb eines Dorfes, als der Abgesandte
eines Mächtigen zu Mir kam, der zu Mir sprach: "Herr, wie lange
musste ich gehen, um zu Dir zu gelangen!" Ich sagte ihm: "Wohl
dem, der Mich sucht, denn er wird Mich immer finden."
50. "Vor wem stehst Du?" ─ fragte Ich ihn. "Vor Jenem, der
durch seine Macht alle Leiden heilt. Bist Du etwa der Sohn Gottes?"
Da antwortete Ich ihm: "Ich bin der Anfang und das Ende, bin die
Auferstehung und das Leben, bin Jener, der vom Himmel zur Erde
herniederkam, um euch zu retten. Siehst du diese Menschen, die Mir
durch Landstriche, Provinzen und Dörfer folgen? Ebenso wirst du
Mir morgen nachfolgen, deinen prächtigen Mantel ablegen und dich
unter die einfachen Leute und die Armen mischen. Wahrlich, Ich
sage dir, du bist gekommen, um Mich im Namen deines Herrn zu
rufen, der den Wunsch hat, dass Ich ihn von seinem Aussatz heile.
Ist es nicht so?" Jener Mensch war betroffen und fühlte sich von
Furcht erfasst. Doch Ich sagte ihm: "Fürchte dich nicht, Ich habe nur
die Wahrheit gesagt, denn dazu bin Ich auf die Welt gekommen."
51. Da sagte jener Diener zu Mir: "Herr, da Du es bereits weißt,
komm zum Hause meines Herrn, der Dich ruft."
52. "O Mann", sagte Ich ihm, "sag deinem Herrn, dass es Mir
genügt, dass er an Mich geglaubt hat. Denn wenn du zu Hause
ankommst, wird er bereits rein sein."
53. Jener Mann entfernte sich, und bald wurden seine freudestrahlenden
Augen Zeugen des Wortes Jesu. Da kam Matthäus zu
Mir und sagte Mir: "Meister, eine Frau fragt nach Dir." "Ich weiß
schon", antwortete Ich ihm, "es ist Maria, die Magdalena, die Mich
sucht, damit Ich sie von den Einflüssen der Geister, die sie besessen
gemacht haben, befreie." Der Jünger war überrascht, dass Ich alles
wusste.
54. Ich war unterwegs zu einem Dorf, als Ich Maria sah, die zu
Mir kam. "O geliebter Sohn, ich weiß, dass dein Mund dein baldiges
Scheiden angekündigt hat, und obwohl mein Herz es schon wusste,
muss ich Dir wenigstens sagen, dass ich um der Menschheit willen
unendlich leide." "Ja, so steht es geschrieben", antwortete Ich ihr,
"und so muss es in Erfüllung gehen. Mein Opfertod ist notwendig,
das Samenkorn muss im Innern der Erde sterben, damit es Frucht
bringt und sich vermehrt. Das Blut deines Sohnes, das, wenn es
vergossen wird, deinem Herzen sehr großen Schmerz bereiten wird,
wird für die Menschen, die Ich als deine Kinder zurücklasse, wie ein
Strom des Lebens sein. Mein Tod wird Leben sein, und nicht einen
Augenblick lang werden Du und Ich getrennt sein."
55. "Ich gehe nun zum Haus des Lazarus, denn er wird in Kürze
ins Grab sinken. Doch Ich werde ihn von dort zurückholen, damit
der Name meines Vaters verherrlicht werde."
56. "Gehe auch Du dorthin, damit deine Gegenwart jene Frauen
tröstet. Denn ihr Schmerz wird bald groß sein, und in deiner Liebe
werden sie sehr süßen Trost finden."
57. Ich kehrte zurück, um Mich mit meinen Jüngern zu
vereinen. Es waren bereits die letzten Tage meines Verbleibens unter
ihnen. Ich gab ihnen dies zu verstehen, damit sie davon nicht
überrascht würden. Petrus weinte und erhielt stillschweigend meine
Weisungen. Johannes drückte meine Hände zwischen den seinen, als
ihm angekündigt wurde, dass er bei meiner Mutter bleiben würde,
damit sich beide in den Stunden der Prüfung trösten würden.
58. Thaddäus litt bereits im Gedanken an die Trennung vom
Meister, doch Ich weilte noch unter ihnen. Der Augenblick war
zärtlich und schmerzlich, mehr als die Lippen sprachen die Seelen.
Doch Ich war "Das Wort", und mein Wort musste den unermesslichen
Schmerz lindern, der sich in jenen Herzen angesammelt hatte.
59. Ich sprach als Vater zu den Kindern, als Bruder zu Brüdern,
als Lehrer zu Schülern: "O Jünger, ihr habt mit Mir das Wasser
durstiger Pilger getrunken, habt die Mühsal der weiten Wege
ertragen im Verlangen nach meinen Worten und meinen Werken.
Wahrlich, Ich sage euch, obwohl Ich euren Blicken entschwinden
werde, werde Ich euch nicht verlassen. Wenn ihr Mich in euren
Herzen tragen wollt, so findet euch mit meinem Tode ab, damit Ich
in euch lebe und durch euren Mund spreche."
60. "Jünger, hört Mir bis zum letzten meiner Worte zu." Danach
kam eine prächtig gekleidete Frau zu Mir. Es war Magdalena, die
mich schon lange suchte, um in meinen Augen das Licht zu finden,
das sie retten konnte. In Träumen hatte sie den Nazarener gesehen,
wie Er sie von ihrer unreinen Last befreite. Sie kam zu Mir,
getrieben von ihrer nach Licht und Erlösung hungernden Seele.
61. Sie fiel vor Mir nieder, zum Erstaunen aller Anwesenden,
und als diese erwarteten, dass Ich Mich von ihr abwenden oder
wenigstens ein Wort des Vorwurfs an sie richten würde, sagte Ich zu
ihr: "Warum weinst du? ─ Du weinst vor Schmerz und vor Freude.
Doch Ich vergebe dir viel, denn du hast viel gesündigt."
62. In diesem Augenblick fielen von jenem Geschöpf alle
Ketten ab, die es an die Welt banden, und nachdem sie frei war,
folgte sie meiner Spur wie der treuste meiner Jünger.
63. Jene Frau, die die Schande und der Makel ihres Heimes und
das Verderben im Leben von Männern gewesen war, wurde durch
ein Wort der Vergebung in die demütigste Dienerin des Meisters
umgewandelt und später zu der liebevollen Stütze von Maria, als für
beide die Stunde des Schmerzes kam.
64. Ich, der Ich die Stimme der Seelen vernehme, hörte, dass
jene Frau Mich fragte: "Herr, ist es möglich, dass ich mit all meiner
Sünde würdig bin, dass ich in jener letzten Stunde, die Du
ankündigst, bei Dir bin? Ist es möglich, dass ich Dir wirklich
diene?" ─ "O Frau", antwortete Ich ihr, "erhebe dich, denn du bist
nun rein. Bedecke dich mit dem Mantel der Demut und kehre zu den
Deinen zurück. Suche Maria auf und folge ihr nach."
65. Danach, als Ich die Überraschung sah, die auf allen
Gesichtern geschrieben stand, sage Ich: "Ich bin das Licht der Welt,
das gekommen ist, um den Weg dessen zu erhellen, der sich im
Finstern verirrt hat. Ich bin der Befreier, der die Ketten der
Gefangenen zerbricht. Ihr habt das geschaut, was ihr noch nicht
gesehen hattet, und habt es nun gesehen. Doch der Augenblick ist
nicht mehr fern, in dem ihr alle mein Leben in eurem Wesen
vibrieren fühlen werdet."
66. Ich verließ jenes Landgut, gefolgt von meinen Jüngern. Ich
blieb jedoch im Schatten eines Baumes stehen und sagte ihnen: "Der
Augenblick kommt zwar näher, aber noch könnt ihr die Frucht
meines Wortes genießen. Gewiss werdet ihr wie Schafe unter
Wölfen zurückbleiben, doch ihr werdet nicht unterliegen, weil euch
mein Mantel bedecken wird. Seht, wie groß die Menschenscharen
sind; ihr werdet sie ernähren, so wie Ich es in der Wüste tat, und
werdet das Brot vermehren, wie Ich es euch zeigte."
67. So sprach Ich zu euch durch Jesus und liebkoste jeden
meiner Jünger, während ihre Augen Tränen vergossen, und sie Mir
in ihren Herzen Gefühle voller Zärtlichkeit ausdrückten und Mir
zahllose Versprechen gaben, Mir nachzufolgen.
68. Heute will Ich euch nicht die letzten drei Tage in Erinnerung
rufen, die Ich auf der Welt verbrachte. Dies wird bei einer anderen
Gelegenheit geschehen, gesegnetes Volk, bei der Ich zu euch über
das Letzte Abendmahl, über meinen letzten Aufenthalt im Garten
Gethsemane sprechen werde, wohin Ich Mich zurückzog, um zu
beten, und schließlich werde Ich zu euch über meinen Opfertod
sprechen.
Mein Friede sei mit euch!

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