1 Im
Verlangen nach Barmherzigkeit näherte sich einem Hause eine Menschenmenge von
Hungrigen, Kranken und Nackten.
2 Die
Verwalter des Hauses rüsteten es unablässig zu, um die Durchziehenden an ihrem
Tische zu bewirten.
3 Der
Gutsbesitzer, Eigentümer und Herr jener Ländereien kam dazu, um den Vorsitz des
Festmahls einzunehmen.
4 Die Zeit
verging und die Bedürftigen fanden in dem Hause immer Nahrung und Obdach.
5 Eines
Tages sah jener Herr, dass das Wasser auf dem Tische trübe war, dass die
Speisen nicht gesund und wohlschmeckend und die Tischtücher befleckt waren.
6 Da rief
er die mit der Zurichtung der Speisetafel Beauftragten zu sich und sagte ihnen:
"Habt ihr die Leintücher gesehen und die Speisen gekostet und von dem
Wasser getrunken?"
7 "Ja,
Herr," antworteten jene.
8
"Dann lasst, bevor ihr diesen Hungrigen zu essen gebt, zuerst eure Kinder
davon essen, und wenn sie die Speisen gut finden, gebt diesen Gästen davon."
9 Die
Kinder nahmen von dem Brot, den Früchten und was es auf dem Tische gab; doch
der Geschmack war widerwärtig, und es gab Unzufriedenheit und Aufruhr dagegen,
und sie beschwerten sich heftig.
10 Da sagte
der Gutsbesitzer denen, die noch warteten: "Kommt unter einen Baum, denn
ich werde euch die Früchte meines Gartens und wohlschmeckende Speisen
anbieten."
11 Doch zu
den Dienstleuten sagte er dies: "Reinigt das Befleckte, beseitigt den
schlechten Geschmack von den Lippen derer, die ihr enttäuscht habt. Ich habe
keinen Gefallen an euch, denn ich habe euch aufgetragen, alle Hungernden und
Dürstenden zu empfangen, um ihnen die besten Speisen und reines Wasser
anzubieten, und ihr habt es nicht befolgt. Eure Arbeit ist mir nicht
wohlgefällig."
12 Der Herr
jener Ländereien bereitete nun das Festmahl selbst vor: das Brot war
gehaltvoll, die Früchte gesund und reif, das Wasser frisch und erquickend. Dann
lud er jene ein, die darauf warteten – Bettler, Kranke und Aussätzige -, und
alle sättigten sich, und ihre Freude war groß. Bald waren sie gesund und frei
von Leiden, und sie entschieden sich, auf dem Landgut zu bleiben.
13 Sie
begannen die Felder zu bestellen, wurden zu Feldarbeitern, doch sie waren
schwach und wussten den Anweisungen jenes Herrn nicht zu folgen. Sie
vermischten verschiedenartige Samenkörner, und das Erntegut entartete, der
Weizen wurde vom Unkraut erstickt.
14 Als die
Zeit der Ernte da war, kam der Gutsherr und sprach zu ihnen: "Was tut ihr
da, wo ich euch doch nur die Verwaltung des Hauses aufgetragen habe, um die
Gäste zu empfangen? Die Aussaat, die ihr ausgebracht habt, ist nicht gut,
andere sind zur Bestellung der Felder bestimmt. Geht und säubert das Land von
Disteln und Unkraut und verwaltet dann wieder das Haus. Der Brunnen ist
ausgetrocknet, das Brot kräftigt nicht, und die Früchte sind bitter. Tut an den
Durchziehenden, was ich an euch getan habe. Wenn ihr die, die sich an euch
wenden, genährt und geheilt habt, wenn ihr den Schmerz eurer Nächsten beseitigt
habt, dann werde ich euch in meinem Hause ausruhen lassen." (196, 47 - 49)
Gleichnis von der Wüstendurchquerung
bis zur Großen Stadt
15 Zwei
Wanderer gingen mit langsamen Schritten durch eine weite Wüste, ihre Füße
schmerzten vom heißen Sand. Sie gingen einer fernen Stadt entgegen, und nur die
Hoffnung, an ihr Ziel zu gelangen, belebte sie auf ihrem schweren Wege; denn
das Brot und das Wasser gingen allmählich zur Neige. Der jüngere der beiden
begann zu ermatten und bat seinen Gefährten, die Reise alleine fortzusetzen,
weil ihn die Kräfte verließen.
16 Der
bejahrte Wanderer versuchte dem jungen neuen Mut einzuflößen, indem er ihm
sagte, dass sie vielleicht schon bald auf eine Oase stoßen würden, wo sie die
verlorenen Kräfte zurückgewinnen würden; aber jener fasste keinen neuen Mut.
17 Der Ältere
gedachte ihn nicht in jener Einöde im Stich zu lassen, und obwohl auch er müde
war, lud er den ermatteten Gefährten auf seinen Rücken und setzte die Wanderung
mühsam fort.
18 Nachdem
der Jüngling ausgeruht war, und er die Mühsal erwog, die er dem bereitete, der
ihn auf seinen Schultern trug, löste er sich von seinem Hals, nahm ihn bei der
Hand, und so setzten sie ihren Weg fort.
19
Unermesslicher Glaube beseelte das Herz des greisen Wanderers, welcher ihm
Kräfte gab, seine Müdigkeit zu überwinden.
20 Wie er
es erahnt hatte, tauchte am Horizont eine Oase auf, unter deren Schatten sie
die Kühle einer Quelle erwartete. Schließlich gelangten sie zu ihr und tranken
von jenem erquickenden Wasser, bis sie sich sattgetrunken hatten.
21 Sie
fielen in einen erholsamen Schlaf, und beim Erwachen fühlten sie, dass die
Müdigkeit verschwunden war, auch hatten sie weder Hunger noch Durst. Sie
fühlten Frieden in ihren Herzen und die Kraft, zu der Stadt zu gelangen, die
sie suchten.
22 Sie
wollten jenen Ort eigentlich nicht verlassen, doch die Reise musste fortgesetzt
werden. Sie füllten ihre Gefäße mit jenem kristallklaren und reinen Wasser und
nahmen ihren Weg wieder auf.
23 Der
betagte Wanderer, der die Stütze des jungen gewesen war, sagte: "Wir
wollen von dem Wasser, das wir bei uns tragen, nur mit Maßen Gebrauch machen.
Es ist möglich, dass wir unterwegs einige Pilger treffen, die, von Erschöpfung
überwältigt, am Verdursten oder krank sind, und es wird dann notwendig sein,
ihnen das anzubieten, was wir bei uns tragen."
24 Der
junge Mann widersprach und sagte, dass es unvernünftig wäre, von dem zu geben,
was vielleicht nicht einmal für sie selbst ausreichen würde; dass sie es in so
einem Falle zu dem Preis verkaufen könnten, den sie wollten, da es sie so große
Anstrengung gekostet hatte, jenes kostbare Element zu erlangen.
25 Der Alte
war mit dieser Antwort nicht zufrieden und erwiderte ihm, dass wenn sie Frieden
in ihrem Geist haben wollten, sie das Wasser mit den Notleidenden teilen
müssten.
26
Verdrossen sagte der junge Mann, dass er es vorzöge, das Wasser seines Gefäßes
allein zu verbrauchen, ehe er es mit jemanden teilte, den man unterwegs treffen
würde.
27 Wieder
ging die Ahnung des Alten in Erfüllung, denn vor sich sahen sie eine aus
Männern, Frauen und Kindern bestehende Karawane, die in der Wüste verirrt dem
Untergang nahe war.
28 Eilig
ging der gute Alte auf jene Leute zu und gab ihnen zu trinken. Die Ermatteten
fühlten sich sogleich gestärkt, die Kranken öffneten ihre Augen, um jenem
Reisenden zu danken, und die Kinder hörten auf, vor Durst zu weinen. Die
Karawane erhob sich und setzte ihre Reise fort.
29 Friede
war im Herzen des edelmütigen Wanderers, während der andere, als er sein Gefäß
leer sah, besorgt zu dem Gefährten sagte, dass sie umkehren und die Quelle
aufsuchen sollten, um das Wasser, das sie verbraucht hatten, zu ersetzen.
30
"Wir dürfen nicht zurückgehen," sagte der gute Wandersmann,
"wenn wir Glauben haben, werden wir weiter vorne auf neue Oasen
stoßen."
31 Doch der
Jüngling zweifelte, hatte Furcht und zog es vor, auf der Stelle von seinem
Gefährten Abschied zu nehmen, um im Verlangen nach der Quelle zurückzugehen.
Sie, die Leidensgefährten gewesen waren, trennten sich. Während der eine auf
dem Pfade weiterging, vom Glauben an sein Ziel beseelt, lief der andere bei dem
Gedanken, er könnte in der Wüste umkommen, mit der Zwangsvorstellung des Todes
in seinem Herzen der Quelle zu.
32
Schließlich kam er keuchend und erschöpft an. Aber zufrieden trank er sich
satt, vergaß den Gefährten, den er alleine gehen ließ, und ebenso auch die Stadt,
auf die er verzichtet hatte, und beschloss, fortan in der Wüste zu leben.
33 Es
dauerte nicht lange, da zog in der Nähe eine Karawane vorüber, die aus
erschöpften und durstigen Männern und Frauen bestand. Sie kamen begierig näher,
um von dem Wasser jener Quelle zu trinken.
34 Doch
plötzlich sahen sie einen Mann auftauchen, der ihnen zu trinken und zu rasten
verbot, wenn sie ihm jene Wohltaten nicht bezahlten. Es war der junge Wanderer,
der sich der Oase bemächtigt und sich zum Herrn der Wüste gemacht hatte.
35 Jene
Menschen hörten ihn traurig an, denn sie waren arm und konnten jenen kostbaren
Schatz, der ihren Durst löschen würde, nicht kaufen. Schließlich trennten sie
sich von dem wenigen, das sie bei sich trugen, kauften ein wenig Wasser, um den
brennenden Durst zu lindern, und setzten ihren Weg fort.
36 Bald
wandelte sich jener Mensch vom Herrn zum König, denn nicht immer waren es Arme,
die dort durchzogen; es gab auch Mächtige, die ein Vermögen für ein Glas Wasser
geben konnten.
37 Dieser
Mann erinnerte sich nicht mehr an die Stadt jenseits der Wüste, und noch
weniger an den brüderlichen Gefährten, der ihn auf seinen Schultern getragen
und ihn davor bewahrt hatte, in jener Einöde umzukommen.
38 Eines
Tages sah er eine Karawane kommen, die zielsicher der Großen Stadt zustrebte.
Doch mit Staunen beobachtete er, dass jene Männer, Frauen und Kinder voll Kraft
und Freude ausschritten und dabei ein Loblied anstimmten.
39 Der Mann
verstand nicht, was er erblickte, und seine Überraschung wurde noch größer, als
er sah, dass an der Spitze der Karawane jener voranging, welcher sein
Reisegefährte gewesen war.
40 Die
Karawane hielt vor der Oase an, während die beiden Männer einander gegenüberstanden
und sich erstaunt betrachteten. Endlich fragte der Oasenbewohner den, der sein
Gefährte gewesen war: "Sage mir, wie ist es möglich, dass es Menschen
gibt, die diese Wüste durchqueren, ohne Durst zu fühlen oder Müdigkeit zu
verspüren?"
41 Er tat
dies, weil er in seinem Innern daran dachte, was von dem Tag an aus ihm würde,
an dem niemand mehr herbeikommen würde, um ihn um Wasser oder Obdach zu bitten.
42 Der gute
Wanderer sagte zu seinem Gefährten: "Ich gelangte zu der Großen Stadt,
doch nicht allein. Unterwegs traf ich Kranke, Dürstende, Verirrte, Erschöpfte,
und ihnen allen gab ich neuen Mut durch den Glauben, der mich beseelt, und so
gelangten wir von Oase zu Oase eines Tages vor die Tore der Großen Stadt.
43 Dort
wurde ich vor den Herrn jenes Reiches gerufen, der mir, als er sah, dass ich
die Wüste kannte und Mitleid mit den Reisenden hatte, den Auftrag gab,
zurückzukehren, um Führer und Berater der Reisenden bei der qualvollen
Wüstendurchquerung zu sein.
44 Und hier
siehst du mich, wie ich gerade eine weitere Karawane führe, die ich zu der
Großen Stadt bringen muss. – Und du? Was machst du hier?" fragte er den,
der in der Oase geblieben war. – Dieser schwieg beschämt.
45 Da sagte
der gute Reisende zu ihm: "Ich weiß, dass du dir diese Oase angeeignet
hast, dass du Wasser verkaufst und für den Schatten Geld verlangst. Diese Güter
gehören dir nicht, sie wurden von einer göttlichen Macht in die Wüste gelegt,
damit derjenige von ihnen Gebrauch mache, der sie benötigen würde.
46 Siehst
du diese Menschenscharen? Sie bedürfen keiner Oase, weil sie weder Durst spüren
noch müde werden. Es genügt, dass ich ihnen die Botschaft weitergebe, die ihnen
der Herr der Großen Stadt durch meine Vermittlung sendet, und schon machen sie sich
auf und finden bei jedem Schritt neue Kraft dank dem hohen Ziel, das sie haben:
jenes Reich zu erreichen.
47
Überlasse die Quelle den Dürstenden, damit sie bei ihr Erquickung finden und
jene ihren Durst löschen, die die Härten der Wüste erleiden.
48 Dein
Stolz und Egoismus hat dich verblendet. Doch was hat es dir genützt, Herr
dieser kleinen Oase zu sein, wenn du in dieser Einöde lebst und dich der
Möglichkeit beraubt hast, die Große Stadt kennen zu lernen, der wir gemeinsam
entgegengingen? Hast du jenes hohe Ziel bereits vergessen, das wir beide hatten?"
49 Als
jener Mann den schweigend angehört hatte, der ein treuer und selbstloser
Gefährte gewesen war, brach er in Tränen aus, weil er Reue fühlte wegen seiner
Verfehlungen. Er riss sich die falschen Prunkgewänder vom Leibe und suchte den Ausgangspunkt
auf, welcher dort war, wo die Wüste begann, um dem Weg zu folgen, der ihn zu
der Großen Stadt führen würde. Doch nun ging er seinen Weg von einem neuen
Lichte erleuchtet, dem des Glaubens und der Liebe zu seinen Mitmenschen.
- Ende des
Gleichnisses -
50 Ich bin
der Herr der Großen Stadt und Elia der Greis meines Gleichnisses. Er ist
"die Stimme dessen, der in der Wüste ruft", er ist der, der sich aufs
neue unter euch kundgibt in Erfüllung der Offenbarung, die Ich euch bei der Verklärung
auf dem Berge Tabor gab. Er ist es, der euch in der "Dritten Zeit" zu
der Großen Stadt führt, wo Ich euch erwarte, um euch den ewigen Lohn meiner
Liebe zu geben.
51 Folge
Elia, o geliebtes Volk, und alles wird sich ändern in deinem Leben, in deiner
Gottesverehrung und deinen Idealen; alles wird verwandelt werden.
52 Habt ihr
geglaubt, dass eure unvollkommene Religionsausübung ewig bestehen bleiben
würde? - Nein, meine Jünger. Morgen, wenn euer Geist die Große Stadt am
Horizont erblickt, wird er wie sein Herr sagen: "Mein Reich ist nicht von
dieser Welt" (28, 18 - 40)
Gleichnis von der Großmut eines
Königs
53 Es war
einmal ein König, der von seinen Untertanen umgeben einen Sieg feierte, den er
über ein rebellisches Volk errungen hatte, das zum Vasallen wurde.
54 Der
König und die Seinen sangen eine Siegeshymne. Dann sprach der König so zu
seinem Volke: "Die Kraft meines Armes hat gesiegt und hat mein Reich
wachsen lassen; doch die Besiegten werde ich wie euch lieben, ich werde ihnen
Felder auf meinen Gütern geben, damit sie den Weinstock anbauen, und es ist
mein Wille, dass ihr sie ebenso liebt, wie ich sie liebe."
55 Die Zeit
verging, und unter jenem Volke, das durch die Liebe und die Gerechtigkeit jenes
Königs gewonnen worden war, trat ein Mann auf, der sich gegen seinen Herrn
auflehnte und ihn im Schlafe zu töten versuchte, wobei er ihn aber nur
verletzte.
56
Angesichts seines Verbrechens floh jener Mann voller Furcht, um sich in den
dunkelsten Wäldern zu verstecken, während der König die Undankbarkeit und die Abwesenheit
seines Untergebenen beklagte, denn sein Herz liebte ihn sehr.
57 Jener
Mann wurde auf seiner Flucht von einem dem König feindlichen Volke
gefangengenommen, und als er angeklagt wurde, ein Untertan dessen zu sein,
dessen Herrschaft sie nicht anerkannten, rief dieser ihnen erschreckt aus
voller Kehle zu, dass er ein Flüchtling sei, weil er den König gerade erst
getötet habe. Doch man schenkte ihm keinen Glauben und verurteilte ihn dazu,
auf einem Scheiterhaufen zu sterben, nachdem er zuvor gemartert wurde.
58 Als er
bereits blutete, und man im Begriff war, ihn ins Feuer zu werfen, geschah es,
dass der König mit seinen Knechten, die auf der Suche nach dem Rebellen waren,
dort vorüberkam, und als er sah, was hier geschah, erhob jener Herrscher seinen
Arm und sprach zu den Schergen: "Was tut ihr da, aufrührerisches Volk?"
Und beim Klang der majestätischen und gebieterischen Stimme des Königs warfen
sich die Rebellen vor ihm nieder.
59 Der
undankbare Untertan, der noch immer nahe beim Feuer in Fesseln lag und nur auf
den Vollzug seines Urteilsspruches wartete, war verblüfft und bestürzt, als er
sah, dass der König nicht tot war, und dass er sich ihm Schritt für Schritt
näherte und ihn losband.
60 Er
führte ihn weg vom Feuer und behandelte seine Wunden. Dann gab er ihm Wein zu
trinken, bekleidete ihn mit einem neuen weißen Gewand, und nachdem er ihn auf
die Stirne geküsst hatte, sprach er zu ihm: "Mein Untertan, warum bist du
vor mir geflohen? Warum hast du mich verletzt? Antworte mir nicht mit Worten,
ich will nur, dass du weißt, dass ich dich liebe, und ich sage dir jetzt: komm
und folge mir nach."
61 Jenes
Volk, das diese Szenen der Barmherzigkeit miterlebte, rief verwundert und
innerlich gewandelt: "Hosiannah, Hosiannah!" Es bekannte sich als gehorsamen
Vasallen jenes Königs und empfing nur Wohltaten von seinem Herrn, und der
Untertan, der einst rebellierte, fasste– von soviel Liebe seines Königs
überwältigt– den Vorsatz, jene Beweise grenzenloser Zuneigung zu vergelten,
indem er seinen Herrn immerdar lieben und verehren würde, bezwungen von dessen
so vollkommenem Handeln.
- Ende des
Gleichnisses -
62 Siehe,
Volk, wie klar mein Wort ist! Doch die Menschen kämpfen gegen Mich und
verlieren ihre Freundschaft zu Mir.
63 Welchen
Schaden habe Ich den Menschen angetan? Welchen Nachteil bringt ihnen meine
Lehre und mein Gesetz?
64 Wisset:
sooft ihr Mich auch verletzt, jedes Mal wird euch vergeben werden. Aber dann
seid ihr auch verpflichtet, euren Feinden zu vergeben, wann immer sie euch
beleidigen.
65 Ich
liebe euch, und wenn ihr euch einen Schritt von Mir entfernt, so tue Ich den
gleichen Schritt, um Mich euch zu nähern. Wenn ihr Mir die Tore eures Tempels
verschließt, werde Ich an sie pochen, bis ihr öffnet und Ich ihn betreten kann.
(100,61-70)
Seligpreisungen und Segnungen
66 Selig,
wer sein Leid mit Geduld trägt, denn gerade in seiner Sanftmut wird er die
Kraft finden, um auf seinem Entwicklungswege weiterhin sein Kreuz zu tragen.
67 Gesegnet
sei, wer die Erniedrigung mit Demut erträgt und denen zu vergeben vermag, die
ihn beleidigt haben, denn Ich werde ihn rechtfertigen. Doch wehe denen, die die
Handlungen ihrer Mitmenschen richten, denn sie werden ihrerseits gerichtet werden!
68 Gesegnet
sei, wer das erste Gebot des Gesetzes erfüllt und Mich mehr als alles
Erschaffene liebt.
69 Gesegnet
sei, wer Mich seine gerechte oder ungerechte Sache richten lässt. (44, 52 - 55)
70 Selig,
wer sich auf Erden demütigt, denn Ich werde ihm vergeben. Selig, wer verleumdet
wird, denn Ich werde seine Unschuld bezeugen. Selig, wer Zeugnis von Mir
ablegt, denn Ich werde ihn segnen. Und wer aufgrund der Ausübung meiner Lehre
verkannt wird, den werde Ich anerkennen. (8,30)
71 Selig,
die fallen und sich wieder aufrichten, die weinen und Mich segnen, die von
ihren eigenen Brüdern verletzt auf Mich vertrauen im Innersten ihres Herzens.
Diese Kleinen und Betrübten, Verspotteten, doch Sanftmütigen und dadurch
Starken im Geiste sind in Wahrheit meine Jünger. (22,30)
72 Selig,
wer den Willen seines Herrn segnet, selig, wer sein eigenes Leiden segnet, weil
er weiß, dass es seine Schandflecken abwaschen wird. Denn dieser gibt seinen
Schritten Halt, um den Geistigen Berg zu ersteigen. (308, 10)
73 Alle
erwarten das Licht eines neuen Tages, die Morgenröte des Friedens, welche
Beginn eines besseren Zeitalters sein soll. Die Unterdrückten erwarten den Tag
ihrer Befreiung, die Kranken hoffen auf ein Heilmittel, das ihnen Gesundheit,
Kraft und Lebensfreude zurückgibt.
74 Wohl
denen, die bis zum letzten Augenblick zu warten verstehen, denn ihnen wird mit
Zinsen zurückgegeben werden, was sie verloren haben. Diese Erwartung segne Ich,
denn sie ist Beweis von Glauben an Mich. (286, 59 -60)
75 Wohl den
Getreuen, Segen denen, die bis zum Ende ihrer Prüfungen standhaft bleiben.
Gesegnet seien, die die Stärke, die ihnen meine Unterweisung zuteil werden
lässt, nicht vergeudet haben, denn sie werden in den kommenden Zeiten der
Bitternis die Wechselfälle des Lebens kraft- und lichtvoll überstehen. (311,
10)
76 Gesegnet
seien, die Mich auf dem Altar der Schöpfung segnen und die Folgen ihrer
Verfehlungen demütig entgegenzunehmen verstehen, ohne sie göttlichen Strafen
zuzuschreiben.
77 Gesegnet
seien, die meinen Willen zu befolgen wissen und ihre Prüfungen in Demut
annehmen. Sie alle werden Mich lieben. (325, 7 - 8)
Ermutigungen zur Aufwärtsentwicklung
78 Gesegnet
seien, die Mich mit Demut und Glauben um den Aufstieg ihres Geistes bitten,
denn sie werden empfangen, was sie von ihrem Vater erbitten.
79 Gesegnet
seien, die zu warten verstehen, denn meine barmherzige Hilfe wird im geeigneten
Augenblick in ihre Hände gelangen.
80 Lernt,
zu bitten und auch zu warten – im Wissen, dass meinem Liebeswillen nichts
entgeht. Vertraut darauf, dass mein Wille sich in jedem eurer Bedürfnisse und
in jeder eurer Prüfungen bekundet. (35, 1 -3)
81 Gesegnet
seien die, die von einem Paradies des Friedens und der Harmonie träumen.
82 Wohl
jenen, die die Trivialitäten, die Eitelkeiten und Leidenschaften, welche dem
Menschen nichts Gutes bringen und noch weniger seinem Geist, verachten und sie
gleichgültig betrachtet haben.
83 Gesegnet
seien jene, die die fanatischen Kulthandlungen, die zu nichts führen, beseitigt
haben, und alte und irrtümliche Glaubensvorstellungen aufgegeben haben, um die
absolute, nackte und reine Wahrheit zu umfangen.
84 Ich
segne diejenigen, die das Äußerliche ablehnen, um sich stattdessen der
geistigen Betrachtung, der Liebe und dem inneren Frieden hinzugeben, weil sie
immer mehr erkennen, dass die Welt keinen Frieden schenkt, dass ihr ihn in euch
selbst finden könnt.
85 Gesegnet
seien jene unter euch, welche die Wahrheit nicht erschreckt hat und die sich
nicht über sie empört haben; denn wahrlich, Ich sage euch, das Licht wird wie
ein Wasserfall auf euren Geist herabfallen, um für immer euer Verlangen nach
Licht zu stillen. (263, 2 – 6)
86 Selig,
wer meine Unterweisungen vernimmt, sie sich zu eigen macht und sie befolgt,
denn er wird auf der Welt zu leben verstehen, wird der Welt abzusterben
verstehen und, wenn seine Stunde gekommen ist, in der Ewigkeit auferstehen.
87 Gesegnet
sei, wer sich in mein Wort vertieft, denn er hat den Grund für den Schmerz, den
Sinn der Wiedergutmachung und der Sühne begreifen gelernt, und statt zu
verzweifeln oder zu lästern, womit er seine Pein noch vermehren würde, erhebt er
sich voller Glauben und Hoffnung, um zu kämpfen, damit die Last seiner Verschuldungen
täglich leichter wird und sein Leidenskelch weniger bitter.
88 Frohsinn
und Frieden ist den Menschen des Glaubens zu eigen – denen, die mit dem Willen
des Vaters einverstanden sind. (283, 45 - 47)
89 Euer
Fortschritt oder eure Aufwärtsentwicklung wird euch ermöglichen, meine Wahrheit
zu entdecken und meine göttliche Gegenwart wahrzunehmen– sowohl im Geistigen,
als auch in jedem meiner Werke. Dann werde Ich euch sagen: "Selig, die
Mich überall zu erkennen vermögen, denn sie sind es, die Mich wirklich lieben. Selig,
die Mich mit dem Geist und selbst mit dem Körper zu fühlen vermögen, denn sie
sind es, die ihrem ganzen Wesen Feinfühligkeit verliehen haben, die sich
wirklich vergeistigt haben". (305, 61 - 62)
90 Ihr
wisst, dass Ich von meinem "Hohen Throne" aus das Weltall in meinen
Frieden und in meine Segnungen hülle.
91 Alles
ist von Mir zu jeder Stunde, in jedem Augenblicke gesegnet.
92 Von Mir
ist nicht, noch wird jemals irgendeine Verfluchung oder Verdammung für meine
Kinder kommen. Daher lasse Ich, ohne Gerechte oder Sünder zu sehen, auf alle
meinen Segen, meinen Kuss der Liebe und meinen Frieden hernieder kommen. (319,49
- 50)
MEIN FRIEDE
SEI MIT EUCH.