BWL - Band X - Unterweisung 279


Buch des Wahren Lebens - Lehren des Göttlichen Meisters -
Band X - Unterweisung 277 - 309

Unterweisung 279

1         Ihr legt einen dornigen Pfad zurück, und bei jedem Schmerz, den ihr habt, hört ihr die Stimme des Gewissens, die euch sagt, dass ihr noch weit davon entfernt seid, das Gesetz eures Vaters zu erfüllen, und dass ihr deshalb strauchelt.

Die Geistseele bewahrt das intuitive Wissen, dass sie vor langer Zeit dem Schoße des Schöpfers entsprungen ist, und da sie weiß, dass sie noch einen weiten Weg vor sich hat und zurücklegen muss, um zu ihrem Ausgangspunkt zurückzukehren, widmet sie sich dem Gebete, da sie weiß, dass sie wenigstens in diesem Augenblick mit ihrem Vater in Verbindung treten kann. Die Seele weiß, dass sie im Gebete einen Trost findet, der sie liebkost, stärkt und heilt.

2         Ich segne jene, die beten. Je spiritueller ihr Gebet ist, desto größer ist der Friede, den Ich sie fühlen lasse. Dies könnt ihr euch leicht erklären; denn wer, um zu beten, darauf angewiesen ist, vor Bildnissen oder Gegenständen niederzuknien, um die Gegenwart des Göttlichen zu fühlen, wird nicht die geistige Empfindung der Gegenwart des Vaters in seinem Herzen erfahren können.

3         "Selig, die, ohne zu sehen, glauben", sagte Ich einstens, und jetzt sage Ich es erneut; denn wer seine Augen für die Dinge der Welt schließt, öffnet sie für das Geistige, und wer Glauben an meine geistige Gegenwart hat, muss sie fühlen und sich ihrer erfreuen.

4         Wann werden die Erdenmenschen damit aufhören, ihrem Geist die Wonne zu versagen, Mich in ihrem Herzen zu fühlen mittels des direkten Gebetes oder — was dasselbe ist — durch das Gebet von Geist zu Geist? Dann, wenn mein Licht das Leben der Menschen erleuchtet, sie die Wahrheit kennen und ihre Irrtümer begreifen.

5         Jetzt ist die rechte Zeit, um zu beten und zu meditieren; aber mit Gebeten, die frei von Fanatismus und Vergötzung sind, und mit ruhigem und tiefem Nachdenken über mein göttliches Wort.

6         Alle Stunden und alle Orte können geeignet sein, um zu beten und zu meditieren. Nie habe ich euch in meinen Unterweisungen gesagt, dass es Orte oder Augenblicke gäbe, die besonders dafür vorgesehen sind. Wozu auf der Welt bestimmte Orte aufsuchen, um zu beten, wo doch euer Geist größer ist als die Welt, die ihr bewohnt? Weshalb Mich auf Bildnisse und so begrenzte Orte beschränken, wo Ich doch unendlich bin?

7         Der schwerwiegendste Grund für die seelische Armut der Menschen und ihre irdischen Schicksalsschläge ist ihre unvollkommene Art zu beten, weshalb Ich euch sage, dass diese Erkenntnis die ganze Menschheit erreichen muss.

8         Ihr steht vor den Toren zum Geistigen Zeitalter. Wundert euch also nicht, dass Ich zu euch viel von dem spreche, das dem Geiste zugehörig ist.

9         Niemand sollte von meiner neuen Botschaft und dem Sinngehalt meines Wortes überrascht sein. Denn die Propheten der Ersten Zeit kündigten ebenso wie Christus in der Zweiten Zeit mit größter Klarheit das Zeitalter an, das ihr heute erlebt.

10     Viele sind durch die Welt gezogen, weil sie erkannten, dass jetzt die Zeit der Erfüllung jener Prophetien ist. Doch muss Ich euch sagen, dass nicht alle den Sinn der Schriften verstanden haben, da sie ihnen eine auf das Materielle bezogene Auslegung geben ähnlich jener, die die Juden damals dem Kommen des Messias und seinem Reiche gaben.

11     Als Ich auf der Erde war, sagte Ich euch: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt." Bei einer anderen Gelegenheit sagte Ich: "Ich muss von euch gehen, denn Ich werde euch die Wohnung bereiten, zu der ihr gelangen sollt."

12     Also, Jünger, wenn Ich mit einer Lehre kam, die von einem höheren Leben sprach, die das Geistige Leben offenbarte und euch den Weg zeigte, um auf ihm zu demselben zu gelangen — ein Weg, den ihr verstehen müsst, der nicht nur mein Wort gewesen ist, sondern auch das Gesetz der Ersten Zeit und alle Prophetien, die euch von meinen Boten übergeben wurden, die zu den Menschen vom Geistigen Leben sprachen — warum habt ihr den göttlichen Sinn jener Offenbarungen materiell aufgefasst?

Ich habe zu den Menschen in den vergangenen Zeiten im Gleichnis und in Sinnbildern gesprochen, denn weder die Seelen noch die Verstandesorgane waren fähig, das Licht in Fülle zu empfangen. Es war daher unbedingt notwendig, jene Sprache, jene Gestalten und Gleichnisse ins Geistige zu übertragen und sie geistig auszulegen, bis man den wahren Sinn derselben findet.

13     "Mein Reich ist nicht von dieser Welt" sage Ich euch aufs neue. Mein Reich ist im Geistigen, denn dem Wesen nach bin Ich Geist. Doch da ihr Kinder dieses Wesens seid, ist es nur natürlich, dass auch ihr zu jenem Reiche gehört.

Um zu ihm zu gelangen, habe Ich euch eine Lehre inspiriert und eine Weisheit offenbart, die euch über euren menschlichen Zustand erheben und euch Schritt für Schritt dem Geistigen Reiche näherkommen lassen.

14     Bete und meditiere, Volk, dann wirst du nicht in Irrtum geraten, noch wirst du von irgendjemandem verwirrt werden. Denn du bist die Saat des Neuen Zeitalters, weil du zu dem unsichtbaren Berge kommst, um die Stimme deines Vaters zu vernehmen.

15     Aus der Finsternis und den Abgründen steigen nun die Seelen empor, um die Reihen des Volkes Gottes zu vergrößern, in deren Kindern der Same Abrahams, Jakobs, Moses', Elias' und all jener ist, die mit ihren Werken den Namen ihres Volkes zu ehren und den Namen ihres Gottes zu verherrlichen verstanden.

16     Eine Stimme hat euch erweckt, eine gütige und trostreiche Stimme, die euch ins Reich des Lichtes und des Lebens ruft, die sich jedoch in Gerechtigkeit verwandeln kann, wenn ihr es vorzieht, weiterhin eure Seele herabzuwürdigen und das Gesetz zu missachten.

17     Dem Gehorsamen und Demütigen sagt mein Wort: Bleibe standhaft, denn du wirst viel von meiner Gnade erlangen und wirst vieles für deine Geschwister erreichen. Dem Törichten sagt meine Stimme: Wenn du diese gesegnete Gelegenheit nicht nutzest, um dem Schmutz der Sünde oder der Finsternis der Unwissenheit, in der du lebst, zu entkommen, wirst du Zeiten und Zeitalter über deine Seele hinweggehen sehen, ohne zu erfahren, was der Herr in seiner Botschaft brachte, noch welches die Geistesgaben waren, die Er seinem Volke offenbarte.

18     Zwar wird es für alle eine geeignete Zeit geben, um sich zu retten und sich zu den Höhen aufzuschwingen. Aber wehe dem, der diesen Tag verzögert! Wehe dem, der die Gelegenheiten versäumt, die Entwicklung seiner Seele zu erreichen, weil er sich den Nichtigkeiten dieser Welt gewidmet hat! Er weiß nicht, wie lange die Zeit sein wird, in der er auf eine neue Gelegenheit warten muss, noch kennt er die Bitternis seiner Wiedergutmachung. Darin liegt nicht die geringste Vergeltung oder die gelindeste Strafe vonseiten des Vaters, wohl aber seine strenge und unerbittliche Gerechtigkeit.

19     Wisst ihr etwa heute, da Ich Mich unter euch eingefunden habe, ob ihr nicht schon frühere Gelegenheiten versäumt oder ungenutzt gelassen habt, und kennt ihr etwa die Zeitspanne, die eure Seele abgewartet hat, um diese neue Gelegenheit zu erhalten, eine Mission zu erfüllen, die ihr vor langer Zeit anvertraut wurde? Was weiß euer Herz oder euer Verstand von der Vergangenheit ihrer Seele, von ihrem Schicksal, ihren Verschuldungen, Aufgaben und Sühneleistungen? Nichts! Daher dürft ihr die Vervollkommnung der Seele nicht unterbrechen, noch sie durch die Liebe zu den Gütern der Welt in Versuchung führen. Sie muss einem anderen Weg, anderen Zielen, anderen Idealen folgen.

20     Dies sind die ersten Tage eines Zeitalters, das strahlend in der Menschheit anbricht. Es ist unter Stürmen, Blitzen, Erschütterungen und Schmerzen erschienen. Aber die dunklen Wolken werden sich auflösen, und das Licht der Wahrheit wird in ihrer ganzen Majestät erstrahlen.

21     Heute lebt ihr noch in den trüben Tagen, die dem Lichte vorausgehen. Dennoch dringt dieses Licht, indem es die wenigen Aufhellungen eures wolkigen Himmels nutzt, mit seinen kurzen Lichtstrahlen hindurch, die zu einigen Punkten der Erde gelangen, Herzen berühren, die Seelen erschüttern und erwecken.

22     Alle, die von diesem Lichte überrascht worden sind, haben auf ihrem Wege innegehalten, um zu fragen: "Wer bist Du?" Und Ich habe ihnen geantwortet: "Ich bin das Licht der Welt, Ich bin das Licht der Ewigkeit, Ich bin die Wahrheit und die Liebe. Ich bin Jener, der versprach, wiederzukommen, um zu euch zu sprechen — Jener, von Dem man sagte, dass Er 'das Wort' Gottes war."

23     Wie Saulus auf dem Wege nach Damaskus haben sie ihren ganzen Stolz gedemütigt, haben sie ihren Hochmut überwunden, und ihr Angesicht demütig gesenkt, um Mir mit dem Herzen zu sagen: "Mein Vater und Herr, vergib mir. Jetzt begreife ich, dass ich Dich verfolgt habe, ohne mir dessen bewusst zu sein."

24     Von diesem Augenblicke an haben sich jene Herzen in kleine Nachfolger verwandelt. Denn in dieser Dritten Zeit ist bis zum heutigen Zeitpunkt unter meinen neuen Jüngern noch kein Apostel mit der Erhebung von dem erschienen, der Mich so sehr in meinen Jüngern verfolgte und Mich danach mit so großer Inbrunst liebte.

25     Ihr seid kleine Nachahmer und Nachfolger jener, die ihre geistige Mission auf der Welt mit großen Werken der Liebe schrieben und ihre Spur neben der von Jenem hinterließen, den sie so sehr liebten und für den sie starben: Ihren Meister.

26     Ich spreche zu euch von den vergangenen Zeiten manchmal in großen Zügen und ein anderes Mal ins Einzelne gehend, damit ihr lernt, aus den großen Lehrbeispielen den geistigen Sinngehalt zu ziehen, welcher unsterblich und unwandelbar ist.

27     Hier ist mein Herz, das für jede Bitte, jede Sorge, jede vertrauliche Mitteilung offen ist!

28     Ich bin für euch Vater, Meister, Freund, Krankenpfleger, Arzt und Berater. Legt alle eure Nöte bei Mir nieder, trocknet eure Tränen, vertraut Mir eure Hoffnungen und Wünsche an, macht Mich zu eurem Vertrauten.

29     Betet, meine Kinder, denn durch das Gebet erlangt man Weisheit, Gesundheit und Stärke.

30     Ich will, dass ihr zu wahren Jüngern von Mir werdet — Wesen, die sich ihrer Bestimmung bewusst sind — Menschen, die ihre Seele zu erheben verstehen, um auf Erden nicht zu straucheln.

31     Wer betet, fürchtet keine Abgründe oder Klippen, seine Seele ist immer wohlgemut.

32     Wenn ihr alle einmal so lebt, werdet ihr ein Heiligtum der Liebe zu eurem Vater errichtet haben, in deren Innerem die Klänge eines geistigen Lobliedes erklingen werden, das von Brüderlichkeit, Erhobenheit und Harmonie zeugt.

33     Ihr untersteht noch meiner Unterweisung, damit ihr, wenn ihr auf eurem Wege auf eine schwer lösbare Prüfung stoßt, in meinem Worte die Vorgehensweise für deren Bestehen erfahrt. Denn diese Neulinge von heute werden morgen Jünger und sogar Meister sein. Deshalb haben sie jetzt viel zu lernen.

34     Ich werde euer Herz formen, werde euer Verstandesvermögen ausbilden und eure Gefühle glätten, um euch aussenden zu können, von meinem Kommen in der Dritten Zeit Zeugnis abzulegen.

35     Mein neues Wort verbreitet sich noch nicht auf Erden. Bevor es Geltung erlangen kann, gebe Ich den Völkern vorhergehende Zeichen von meinem Kommen. Die Geistige Welt erfüllt derzeit die Aufgabe, die Menschen zur Wirklichkeit des Geistigen Lebens zu erwecken.

36     Hier unter euch habe Ich Mich ausführlich kundgegeben. Ihr könnt nicht sagen, dass es sich nur um Hinweise oder Zeichen gehandelt hat. Denn mein Wort mittels des menschlichen Verstandes ist klar und deutlich gewesen, obwohl es nur die vorbereitende Botschaft ist, um die Zwiesprache von Geist zu Geist zu erlangen.

37     Gewiss ist mein Wort durch diese Stimmträger eine ausführliche und tiefgehende Unterweisung gewesen. Es hat bereits offenbarte Wahrheiten bestätigt, ebenso wie es neue Offenbarungen gemacht hat.

38     Ich habe zu euch von der geistigen Bestimmung, von der Entwicklung der Wesen, von der Reinkarnation und der Wiedergutmachung der Seele gesprochen. Ich habe zu euch über die verschiedenen Prüfungs- und Unterweisungsetappen gesprochen, die die Menschheit auf der Erde gehabt hat, symbolisiert in einem mit Sieben Siegeln versiegelten Buche. Ich habe euch offenbart, dass jetzt das Dritte Zeitalter ist, in dem Ich im Geiste zu euch komme, weil Ich euch fähig finde, meine geistige Gegenwart zu fühlen, und Ich habe euch gesagt, dass ihr das ganze Gesetz in zwei Vorschriften oder Geboten zusammenfassen könnt: euren Vater zu lieben und einander zu lieben.

39     Denkt nach, und ihr werdet begreifen, dass es nicht Zeichen gewesen sind, die Ich euch gegeben habe, sondern eine große Manifestation meiner Vaterliebe.

40     Die, die nur Zeichen bekommen haben, sind andere Völker — jene, die meine Verheißung, wiederzukommen, nicht aus ihren Herzen gelöscht haben, die den Weltraum erforschen und den Sinn aller großen Ereignisse beachten — in der Hoffnung, sagen zu können: "Der Meister ist nahe."

41     Wie wenig interessiert die Welt meine neue Manifestation! Wie wenige sind derer, die wachen und Mich erwarten, und wie viele sind es, die schlafen!

42     Über die, die in der Erwartung Meiner leben, kann Ich euch sagen, dass nicht alle die tatsächliche Form meiner Gegenwart in dieser Zeit ahnen. Denn während manche unter dem Einfluss alter Glaubensvorstellungen meinen, dass Ich als Mensch zur Welt zurückkehre, glauben andere, dass Ich in irgendeiner für jedes Menschenauge sichtbaren Gestalt erscheinen muss, und sehr wenige nur erraten die Wahrheit und ahnen, dass mein Kommen geistig ist.

43     Während die einen sich fragen, welche Gestalt Ich annehmen werde, zu welcher Stunde oder an welchem Tage Ich Mich auf Erden zeigen werde und an welchem Ort Ich erscheinen werde, sagen andere, ohne an bestimmte Erscheinungsformen oder Zeitpunkte zu denken: "Der Meister ist bereits unter uns, sein Licht, welches sein Geist ist, umflutet uns."

44     Wenn diese Botschaft zu allen Herzen gelangt, wird es für die einen ein Augenblick des Jubels sein, weil sie in ihr alle ihre Vorahnungen und ihren Glauben bestätigt finden werden. Andere hingegen werden meiner Botschaft Wahrheit absprechen, weil sie sie nicht in Übereinstimmung mit dem finden, was sie glaubten, das geschehen würde, und mit der Art und Weise, in der es sich offenbaren würde.

45     Denke an sie alle, geliebtes Volk, und wisse, dass das Warten für diese Seelen schmerzlich ist, und dass — während sie leiden, wenn sie daran denken, dass diese Zeit vielleicht nicht die meiner Wiederkunft ist — ihr euch Tag für Tag an meinem Worte erquickt. Wie groß wird eure Verantwortung gegenüber der Menschheit sein, wenn es einmal endet!

46     Erwache, Volk, und erwecke die anderen Völker der Erde, das ist alles, was du vorerst tun musst. Ich werde Mich bei allen einstellen — in der "Wolke", so wie Ich es euch verhieß, und alle werden Mich schauen.

47     Weshalb solltet ihr meinen, dass mein Kommen im Geiste keinen Sinn hat? Erinnert euch daran, dass Ich nach meinem Tode als Mensch weiterhin zu meinen Jüngern sprach und Mich ihnen als Geistwesen zeigte.

48     Was wäre aus ihnen geworden ohne jene Manifestationen, die Ich ihnen gewährte, die ihren Glauben stärkten und ihnen für ihre Missionsaufgabe neuen Mut einflößten?

49     Traurig war das Bild, das sie nach meinem Scheiden boten: Die Tränen flossen unablässig über ihre Gesichter, alle Augenblicke entrang sich ihrer Brust ein Schluchzer, sie beteten viel, und Furcht und Gewissensbisse bedrückten sie. Sie wussten: der eine hatte Mich verkauft, ein anderer hatte Mich verleugnet, und fast alle hatten Mich in der Todesstunde verlassen.

50     Wie konnten sie die Zeugen jenes Meisters aller Vollkommenheit sein? Wie sollten sie Mut und Kraft dazu haben, um den Menschen von so unterschiedlichen Glaubensvorstellungen und Arten zu denken und zu leben entgegenzutreten?

51     Gerade da erschien mein Geist unter ihnen, um ihren Schmerz zu lindern, ihren Glauben zu entzünden, ihre Herzen mit dem Ideal meiner Lehre zu entflammen.

52     Ich gab meinem Geist menschliche Gestalt, um ihn bei den Jüngern sichtbar und fühlbar zu machen, aber meine Gegenwart war dennoch geistig, und seht, welchen Einfluss und welche Bedeutung jenes Erscheinen unter meinen Aposteln hatte.

53     Wahrlich, Ich sage euch, heute habe Ich meinen Geist nicht wie damals Mensch werden lassen, weil eure seelische Entwicklung eine andere ist. Dennoch — obwohl meine Gegenwart subtil und unberührbar ist, wird sie von allen hier empfunden, ohne dass es nötig ist, dass eure sterblichen Augen beglaubigen müssen, dass sich der Meister unter euch befindet.

54     Die Seele hat höhere Sinne, durch die ihr das Geistige fühlen, erkennen und begreifen könnt. Ich will, dass ihr meine Gegenwart gerade durch diese Feinfühligkeit wahrnehmt.

55     Wenn ihr dieses Wort nicht mehr vernehmt, werdet ihr in Traurigkeit, in Schwachheit fallen und wegen eures Mangels an Liebe Gewissensbisse haben. Aber auch zu euch werde Ich kommen und euch in der Vertraulichkeit eures Herzens sagen: "Hier bin Ich, fürchtet euch nicht, geht euren Weg, ihr seid nicht allein."

56     Wer außer Mir ermutigte die Jünger in jener "Zweiten Zeit", als sie dann ohne ihren Meister durch die Welt zogen? Erscheint euch nicht das Werk eines jeden von ihnen bewundernswert? Aber Ich sage euch, dass auch sie Schwächen hatten wie jeder andere Mensch. Später wurden sie von Liebe und Glauben erfüllt, es machte sie nicht mutlos, auf der Welt wie Schafe unter Wölfen zu sein und ihren Weg immer unter Verfolgung und Spott der Leute zu gehen.

57     Sie hatten die Macht, Wunder zu vollbringen, sie verstanden, von jener Gnade Gebrauch zu machen, um Herzen zur Wahrheit zu bekehren.

58     Wohl all jenen, die das Wort Jesu aus dem Munde meiner Apostel vernahmen, denn bei ihnen erlitt meine Lehre keine Veränderung, sondern wurde in all ihrer Lauterkeit und Wahrheit gegeben. Daher fühlten die Menschen, wenn sie ihnen zuhörten, in ihrer Seele die Gegenwart des Herrn und spürten in ihrem Wesen ein unbekanntes Gefühl von Macht, von Weisheit und Majestät.

59     In jenen armen und demütigen Fischern aus Galiläa habt ihr ein würdiges Vorbild: Durch die Liebe verwandelt in geistige Fischer, erschütterten sie Völker und Reiche durch das Wort, das sie von Jesus gelernt hatten, und bereiteten durch ihre Beharrlichkeit und ihre Aufopferung die Bekehrung der Völker und das Zustandekommen des geistigen Friedens vor. Von den Königen bis zu den Bettlern — sie alle erfuhren meinen Frieden in jenen Tagen wahren Christentums.

60     Jene Ära der Spiritualität unter den Menschen war nicht von Dauer; doch Ich, der alles weiß, hatte euch meine Rückkehr angekündigt und verheißen, weil Ich wusste, dass ihr Mich wiederum brauchen würdet.

61     Ich wusste, dass die Menschen meine Lehre von Generation zu Generation immer mehr mystifizieren, mein Gesetz verändern und die Wahrheit verfälschen würden. Ich wusste, dass die Menschen meine Verheißung, zurückzukehren, vergessen würden und dass sie sich nicht mehr als Brüder betrachten, sich gegenseitig mit den grausamsten, feigsten und unmenschlichsten Waffen töten würden.

62     Doch nun ist die Zeit und der verheißene Tag gekommen, und hier bin Ich. Verurteilt nicht die Art und Weise, die Ich gewählt habe, um Mich euch kundzutun; denn nicht die Welt hat Mich zu richten, sondern Ich bin es, der die Menschheit richtet, weil jetzt die Zeit ihres Gerichts ist.

63     Ich errichte ein Reich im Herzen der Menschen — kein irdisches Reich, wie viele es erwarten, sondern ein geistiges — dessen Macht der Liebe und der Gerechtigkeit entspringt und nicht den Mächten der Welt.

64     Ich sehe, dass manche erstaunt sind, Mich so sprechen zu hören; doch Ich frage euch: Warum wollt ihr Mich euch immer mit Seide, Gold und Edelsteinen bekleidet vorstellen? Warum wollt ihr zu allen Zeiten, dass mein Reich von dieser Welt ist, während Ich euch das Gegenteil offenbarte?

65     Ich bringe eine neue Lektion, durch die ihr lernen werdet, auf Erden geistig zu leben, was das wahre Leben ist, das den Menschen von Gott bestimmt ist.

66     Ich habe euch bereits gesagt, dass "Vergeistigung" nicht Frömmelei noch religiöser Fanatismus oder übernatürliche Praktiken bedeutet. Vergeistigung bedeutet Harmonie der Seele mit dem

Körper, Befolgung der göttlichen und menschlichen Gesetze, Schlichtheit und Reinheit im Leben, absoluter und tiefer Glaube an den Vater, Vertrauen und Freude daran, Gott im Nächsten zu dienen, Ideale der Vervollkommnung der Moral und der Seele.

67     Wenn Ich euch die Reinheit meiner Lehre vor Augen führe, fühlt ihr, dass eure Irrtümer stärker hervortreten. Nun denn, Jünger, Ich bin bereit, alle eure Verfehlungen zu vergeben, wenn ihr euch morgen bei der Stimme des Gewissens aufrafft, um alle eure Fehler wiedergutzumachen, die verlorene Zeit wiedereinzuholen und die Lauterkeit meiner Lehre durch die Reinheit eurer Handlungsweisen aufzuzeigen.

68     Es ist notwendig, dass ein hochstehendes und auf meine Gesetze achtendes Volk erscheint, das den Menschen beweist, dass die Vergeistigung nichts Unmögliches ist, dass die Erneuerung der menschlichen Natur kein Opfer ist, und der geistige Dienst kein Verzicht auf das menschliche Leben ist.

69     Ihr werdet zu jenen werden können, die mein Werk predigen und lehren, weil ihr die nötige Erfahrung habt, die einer langen Vergangenheit, einer langen Entwicklung entspringt.

70     Ihr musstet viele Wege zurücklegen, um den Spiritualismus kennenzulernen. Auch ihr wart abgöttisch und vermochtet meine Gegenwart nicht ohne die Hilfe von Symbolen zu entdecken, Mich nicht ohne Zeremonien zu ehren. Aber ihr gelangtet glücklicherweise zu einer Wegkreuzung, und als ihr nicht wusstet, welche Richtung ihr einschlagen sollt, vernahmt ihr die ersehnte Stimme des Meisters, der euch aufs neue den Weg zeigte.

71     Meint ihr nicht, dass euer Reichtum an Erfahrung euch dazu dient, eure Mitmenschen sowohl zu verstehen, als auch zu ermutigen?

72     Ich habe euch bereits vorausgesagt, dass der Kampf heftig sein wird, denn jeder hält seine Religion für vollkommen und seine Art, sie auszuüben, für untadelig. Doch Ich sage euch, dass, wenn es so wäre, Ich keinen Grund gehabt hätte, in dieser Zeit zu kommen und zu euch zu sprechen.

73     Ich gebe euch durch Inspiration eine zutiefst geistige Lehre, weil Ich sehe, dass das Heidentum in euren Kultformen regiert und dass der schlechte Same des Fanatismus euch mit Unwissenheit und Hassgefühlen vergiftet hat.

74     Mein Schwert des Lichtes ist in meiner Rechten, Ich bin der Streiter und König, der alles Widersetzliche, alles bestehende Übel und alles Falsche zerstört. Wenn mein Kampf zu Ende ist und die Herzen gelernt haben, sich zu vereinen, um zu beten und zu leben, wird der Blick eures Geistes Mich im unendlichen Lichte und im ewigen Frieden entdecken. "Dies ist mein Reich", werde Ich euch sagen, "und Ich bin euer König, denn dazu bin Ich da, und dazu habe Ich euch erschaffen: um zu regieren."

75     Erkennt, auf welche von der menschlichen unterschiedliche Weise Ich meine Eroberungen mache, erkennt, wie Ich, um in euren Herzen zu regieren, statt euch durch Furcht oder Gewalt zu unterwerfen, Mensch wurde, um bei euch zu leben, Ich eure Füße wusch und küsste und euer Opfer wurde.

76     Ich gab Mich euch ganz hin, weshalb Ich euch sage, dass ihr alle euch schließlich Mir hingeben werdet.

Mein Friede sei mit euch!

BWL - Band X - Unterweisung 286



Buch des Wahren Lebens - Lehren des Göttlichen Meisters -
Band X - Unterweisung 277 - 309
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Unterweisung 286

1         Mein Göttliches Licht erstrahlt überall; wo immer ihr Mich sucht, werdet ihr meine Gegenwart finden.

2         Ich bin der Vater, der darauf hinwirkt, dass unter allen seinen Kindern Harmonie zu herrschen beginnt — sowohl unter denen, die die Erde bewohnen, als auch jenen, die auf anderen Welten leben.

3         Die geistige Harmonie unter allen Wesen wird ihnen große Erkenntnisse offenbaren, wird ihnen die Zwiesprache von Geist zu Geist bringen, welche Entfernungen verkürzen, die Abwesenden nahebringen und Fronten und Grenzen beseitigen wird.

4         Ich will, dass ihr den Frieden erreicht, der die größte Belohnung ist, die ihr auf der Erde erstreben könnt.

5         Jünger, weicht nicht von dem vorgezeichneten Wege ab und verändert meine Unterweisungen in keiner Weise, denn dann werdet ihr jene geistige Harmonie nicht erlangen können, noch all das entdecken, was Ich für eure Erhebung in Bereitschaft halte.

6         Macht euch der Offenbarungen meiner geheimen Schatzkammer würdig, indem ihr mit Werken der Liebe, der Barmherzigkeit, des Edelmutes Verdienste erwerbt.

7         Der Geist soll den Verstand führen, und der Verstand, nur von einem nach menschlicher Größe verlangenden Herzen geführt, soll euer Leben nicht regieren. Bedenkt: Wenn ihr euch von dem bestimmen lassen wollt, was euer Gehirn befiehlt, werdet ihr es überfordern und nicht über das hinausgelangen, was seine geringen Kräfte ihm erlauben. Ich sage euch: Wenn ihr wissen wollt, warum ihr euch dazu inspiriert gefühlt habt, Gutes zu tun, und warum euer Herz von Nächstenliebe entflammt wird, so lasst zu, dass euer Herz und eure Verstandeskräfte vom Geiste geführt werden. Dann werdet ihr erstaunt sein angesichts der Macht eures Vaters.

8         Wenn die Menschen, statt mit so viel Ehrgeiz und mit so wenig Respekt, Mich mit Liebe und Demut befragen würden — mit welcher Einfachheit und Leichtigkeit würden sie die Antwort ihres Vaters erhalten, wenn er ihnen das Wissen offenbart, um das sie Ihn bitten.

9         Wenn ihr Mich befragt oder Mich bittet, dann strengt euch nicht an bei dem Versuch, Mir euer Problem klar darzulegen, und bemüht euch auch nicht, in eurem Verstand nach den am besten formulierten Sätzen zu suchen. Mir genügt es, wenn euer Geist sich in diesem Augenblick von der Welt löst und Herz und Sinn rein sind, damit sie meine Inspiration empfangen können. Was nützt es euch schon, Mir wunderbare Worte zu sagen, wenn ihr nicht fähig seid, meine Gegenwart in eurem Innern zu fühlen?

10     Ich weiß alles, und ihr braucht Mir nichts zu erklären, damit Ich euch verstehen kann.

11     Ihr fragt Mich, worin das Gebet besteht, und Ich antworte euch: Zuzulassen, dass euer Geist sich frei zum Vater erhebt; euch mit völligem Vertrauen und Glauben jenem Akt hinzugeben; im Herzen und im Verstande die Eindrücke entgegenzunehmen, die durch den Geist aufgenommen wurden; mit wahrer Demut den Willen des Vaters zu bejahen. Wer auf diese Weise betet, erfreut sich in jedem Augenblicke seines Lebens meiner Gegenwart und fühlt sich niemals bedürftig.

12     Oftmals habe Ich Mich im Laufe der Zeit den Menschen genähert, doch nun ist es Zeit, dass die Menschen Mich suchen und sich mir nähern. Sie können es tun, weil ihre seelische Entwicklung sie dazu befähigt hat, die wahre Zwiesprache mit ihrem Vater zu erreichen.

13     Eine Zeit der Auferstehung ist diese "Dritte Zeit". Die Seelen glichen Toten und die Körper deren Grabeshöhlen. Aber der Meister ist zu ihnen gekommen, dessen Wort des Lebens ihnen sagte: "Kommt heraus und erhebt euch zum Lichte, zur Freiheit!" Wer von ihnen seine Augen der Wahrheit öffnet und dann sein Leben, seine Werke und seine Gefühle in Liebe zu seinen Mitmenschen zu erheben vermag, wird diese Welt nicht mehr als einen Verbannungsort oder ein Tal der Tränen und der Sühne betrachten, weil er immer mehr die Wonne des wahren Friedens empfinden wird, welche der Seelenfrieden schenkt. Jener Zustand des Hochgefühls in diesem Leben wird ein Abglanz des vollkommenen Friedens und Lichtes sein, den die Seele in besseren Welten genießen wird, wo Ich Selbst sie empfangen werde, um ihr eine Heimstätte zu bescheren, die ihrer Verdienste würdig ist.

14     An diesem Gnadentag gedenkt ihr des Tages, da Elias sich durch Roque Rojas kundgab und euch daran erinnerte, dass die Wiederkunft des Göttlichen Meisters nahe war, und euch zum Gebet und zur Erneuerung aufforderte.

15     Moses brachte sein Volk zum Fuß des Berges Sinai, wo er es beten, fasten und sich reinigen ließ, um die Gegenwart Jehovas, seines Herrn zu erwarten.

16     Moses war der Initiator der Vergeistigung, der Wegbereiter Jehovas, der Gesetzgeber. Jenes Tages, an dem er mit den Gesetzestafeln vom Berge herabstieg, wurde vom Volke Israel gedacht, so wie ihr es jetzt tut, wenn ihr des Tages gedenkt, an dem euch durch Roque Rojas offenbart wurde, dass das Testament Moses', das Vermächtnis Jesu und die Botschaft Elias' ein einziges Buch bilden würden: das Buch der Wahrheit und des Lebens.

17     So wie Moses das Herz seines Volkes vorbereitete, um Jehova zu empfangen, und euch heute Elias erweckte, um die Stimme des Göttlichen Geistes zu vernehmen, so war es gleichfalls Elias — der in Johannes, genannt der Täufer reinkarnierte — welcher die Menschenmassen zur Buße und zum Gebet ermahnte und ihnen ankündigte, dass das Himmelreich sich den Menschen nahte.

Denn in der Lehre, die Ich euch brachte, und in meiner Unterweisung war die Gegenwart des Vaters und das Licht der Himmel.

18     Christus ist die Manifestation des Vollkommenen, in Ihm könnt ihr das ewige Gesetz erblicken, könnt ihr die unendliche Liebe finden und die absolute Weisheit bewundern.

19     Jesus erhellte mit seinem Leben das Gesetz, das Israel von Moses empfing, und kündigte euch an, dass später der Tröster kommen würde, um alles zu klären und zu erläutern, was Christus lehrte, und was nicht richtig ausgelegt wurde.

20     Christus umfasst alle Zeitalter, seine Gegenwart besteht zu allen Zeiten, weil Er "das Ewige Wort" ist.

21     Elias ist der Wegbereiter, der Erklärer der Geheimnisse, er ist der Schlüssel, der die Türe öffnet, damit ihr in das Tiefgründige eindringt. Er ist der geistige Befreier, der in der Zeit der Vollendung der Vergeistigung der Menschen gesandt worden ist, die von Moses begonnen wurde.

22     Sei gesegnet, Volk. Du gedenkst mit Jubel des Anbruchs des Dritten Zeitalters und widmest diesen Tag seinem Gedenken. Mehr als eine Tradition — sei dieser Tag für euch ein Tag des Nachdenkens, des Studiums, der inneren Sammlung, an dem ihr die Gegenwart jener göttlichen Waage fühlen könnt, die alle eure Werke auf dem ganzen zurückgelegten Pfade wiegt und registriert.

23     Aus dem, was ihr an diesem Tage von Mir vernehmt und worüber ihr nachdenken sollt, könnt ihr einen Schatz an Wissen bilden. Wenn dann die Zeit eures Kampfes kommt, werden euch keine Argumente noch Begründungen fehlen, um zu erklären, welches die festen und ewigen Grundmauern sind, auf denen diese Lehre errichtet worden ist, die ihr Spiritualismus genannt habt.

24     Ihr seht den Tagesanbruch der Dritten Zeit, an dem die geistige Klarheit intensiv erstrahlt und euer Leben verwandelt.

25     Der Beginn dieser neuen Zeit wird durch seine großen Kämpfe, durch seine heftigen Leiden, durch seine Verwirrungen und seine Auseinandersetzungen gekennzeichnet sein. Aber all dies wird nur zu Beginn sein. Später wird der Frieden eintreten, und als Folge des Friedens wird die Entfaltung der Seele kommen, die ihre Aufwärtsentwicklung in ihren Werken voller Glauben, Liebe und Vergeistigung offenbaren wird.

26     Viele von euch kommen weinend herbei, nachdem sie den Schmerz verflucht haben. Ich vergebe eure Fehler in Anbetracht dessen, dass sie von eurer Unwissenheit herrühren.

27     Beruhigt euer Herz und macht euren Verstand aufnahmebereit, damit ihr begreift, was Ich euch nun sage, Kinderschüler des Lebens: Wenn ihr wieder einmal fühlt, dass euer Herz von Schmerz durchdrungen wird, so trennt euch für kurze Zeit von allem, was euch umgibt, und bleibt allein. Dort, in der Vertrautheit eures Schlafzimmers, sprecht mit eurer Seele, nehmt euch euren Schmerz vor und erforscht ihn, als ob ihr irgendein Objekt in die Hand nehmen würdet, um es zu untersuchen. Erkundet auf diese Weise euren Kummer, erkennt, woher er stammt und warum er gekommen ist. Hört auf die Stimme eures Geistes, und wahrlich, Ich sage euch, ihr werdet aus jener Betrachtung einen Schatz an Licht und Frieden für euer Herz ziehen.

28     Das Licht wird euch die Art und Weise sagen, den Schmerz zu beseitigen, und der Friede wird euch die Kraft geben, auszuharren, bis die Prüfung vorüber ist.

29     Ihr werdet dann erleben, wie ihr, wenn ihr eure Gedanken Mir zukehrt, um zu beten, Mir sagen werdet: "Meister, vergib mir, die Ungerechtigkeit liegt nicht an meinem Schicksal, ich bin mit mir selbst ungerecht."

30     Dies ist eine Unterweisung, derer ihr euch immer bewusst sein müsst, Jünger — in der Erkenntnis, dass dies die Verhaltensweise ist, durch die ihr die Vernunft auf die Höhe des Geistes erheben könnt. Denn nur der Geist ist es, der die reale Situation der Seele und die menschliche Realität kennt.

31     Ich unterweise euch darin, euch zu studieren, um euch zu erkennen, um im Kern eures Wesens mittels der Meditation und des Gebetes die großen Lektionen des Lebens zu entdecken.

32     Heute verwünschen viele den Schmerz, aber morgen werden sie ihn als Lehrer segnen, der sie hohe und schöne Lektionen lehrte.

33     Ich wünschte, dass es immer die Liebe des Meisters wäre, die euch den Weg und den Sinn des Lebens lehren würde. Aber ihr habt es vorgezogen, dass es der Schmerz ist, der euch lehrt. Bald werdet ihr diesen bitteren Lehrmeister hinter euch lassen, um die Lektionen dessen anzunehmen, der euch mit liebevollem Zartgefühl lehrt.

34     Wenn ihr euch vorerst nicht eures Schmerzes entledigen könnt, so tragt ihn mit Geduld. Versäumt nicht seine Lehren, liebt ihn, denn er reinigt eure Schandflecken und macht euch groß im Glauben, in der Tugend und in der Geduld.

35     Wenn ihr an mein Wort glaubt, müsst ihr auch an die Lektion glauben, in der Ich euch sagte: "Kein Blatt vom Baume bewegt sich ohne den Willen Gottes." Dann werdet ihr auch glauben können, dass die Weisheit Gottes alles wohl bedacht hat und dass es kein Leiden geben kann, das im Menschen keine weise Lektion hinterlässt.

36     Denke gründlich nach, geliebtes Volk, damit ihr nicht mehr fortwährend strauchelt und die Ereignisse der Zukunft euch nicht in Lethargie versunken antreffen.

37     In der Zeit, in der ihr nicht mehr von Vermutungen und Wahrheiten aus zweiter Hand lebt, sodass ihr euch zur Welt der Wirklichkeit erhebt, wird eure Seele, obwohl eure Füße noch über den Staub einer Welt der Tränen und des Schmerzes gehen, in einem Reich des Friedens wohnen.

38     Dir, Volk, das Mich hört, sage Ich, dass du glücklich sein müsstest, wenn du deine Lage und dein Leben mit dem jener Nationen vergleichst, die in dem brudermörderischen Krieg verbluten.

39     Ihr habt Zuneigungen, es fehlt euch nicht an Brot, es mangelt euch nicht an einem Dach, ihr habt die Nahrung meines Wortes, und seid nicht zufrieden. Doch jene, die kein Brot haben, die alles entbehren und mein Wort nicht vernehmen, die nicht den Trost haben, meine Sätze zu hören, welche Hoffnung und Balsam sind, welche ermutigen und ermuntern, sind ergebener als ihr.

40     Lernt, euren Schmerz zu segnen, als ob es sich um eure Freuden handeln würde. Segnet alles.

41     Segne Ich nicht die ganze Menschheit, ohne jemanden zu bevorzugen? Von jenem "Mantel" des Segens sind sowohl die Guten und Sanftmütigen als auch die Hochmütigen und Kriminellen umgeben. Warum nehmt ihr Mich nicht zum Vorbild? Fühlt ihr etwa Abscheu vor den Handlungen der anderen? Vergesst nicht, dass ihr ein Teil der Menschheit seid, dass ihr sie lieben und ihr vergeben, doch sie nicht ablehnen sollt, denn dies wäre so, wie wenn ihr vor euch selbst Ekel fühlen würdet. Alles, was ihr an euren Nächsten seht, habt ihr selbst in höherem oder geringerem Maße. Deshalb will Ich, dass ihr euer Inneres zu ergründen lernt, damit ihr euer seelisches und moralisches Angesicht kennenlernt. So werdet ihr euch selbst zu beurteilen verstehen und das Recht haben, auch auf andere zu blicken.

42     Sucht nicht nach Fehlern bei euren Mitmenschen; mit denen, die ihr habt, ist es genug.

43     Seid nicht beleidigt, wenn Ich so zu euch spreche, begreift, dass meine Lehrworte nicht für Gerechte noch für Heilige bestimmt sind, zu ihnen würde Ich in einer ganz anderen Weise sprechen. Ich gebe euch meine erlösende Lehre, um Sünder zu retten, und gebe sie durch sündige Lippen.

44     Ich komme, dich zu retten, Menschheit, denn selbst die Luft, die ihr atmet, ist krank. Aber Ich sage dieser Erde, welche Wohnung und Herberge für meine Kinder gewesen ist, dass, wenn diese sie durch ihre Verfehlungen herabgewürdigt haben, sie selbst die letzte Versündigung an ihr werden wiedergutmachen müssen.

45     Erkennt, dass die Menschheit eine große Unterweisung benötigt, um über alle Prüfungen siegen zu können, die sie heimsuchen. Jetzt ist die große Zeit, die von Propheten angekündigt und von Sehern geschaut worden ist, in der der Schmerz der Menschen ihren Höhepunkt erreichen wird, und in der die Barmherzigkeit des Vaters ihr Licht auf alle Menschen überströmen lassen würde — die Zeit, die das Ende des Bösen und den Beginn des Guten auf der Erde anzeigen würde.

46     O Volk! Wann werdet ihr bereit sein, den Heilbalsam und die Friedensbotschaft denen zu bringen, die leiden? Noch immer entdecke Ich in eurem Herzen nicht die wahre Nächstenliebe, noch immer verurteilt ihr euch auf Schritt und Tritt, weil ihr einander nicht liebt.

47     Glaubt ihr nicht, dass, wenn Ich es wollte, Ich jedem von euch seine Fehler aufzeigen könnte? Doch Ich sage euch auch, dass Ich nicht mehr euer Meister wäre, wenn Ich euch auf diese Weise bloßstellen würde. Wenn jedoch Der, der alles weiß, der euch wirklich kennt, der eure Gedanken kennt, euch in Gegenwart der anderen nicht richtet, noch euch öffentlich bloßstellt — warum gibt es dann solche, die hartnäckig darauf bestehen, Herzen zu verwunden, Glücksgefühle zu zerstören und fremde Leben zu richten?

48     Heute seid ihr noch meine Kinderschüler, und wahrlich, Ich sage euch, Ich werde euch nicht Jünger nennen noch euch mein Werk anvertrauen, bis ihr nicht mehr fähig seid, euren Nächsten Leiden zu bereiten, und stattdessen den Antrieb fühlt, jeden Schmerz zu lindern. Wann endlich werdet ihr in eurem Herzen den Schmerz derer, die leiden, fühlen, damit es eure Worte und eure Werke sind, die ihre Tränen trocknen? Ihr seid noch zu unreif für tätige Nächstenliebe. Euer Mitgefühl ist nicht groß und auch nicht eure Vergebung.

49     Wenn ihr einmal Mitleid mit einem Gelähmten habt, der in der Gosse liegt, und ihr euch verpflichtet fühlt, ihn in euer Haus zu bringen, erforscht ihr zuerst sein Leben, weil ihr sagt, dass ihr nicht wisst, wer er ist.

Seid ihr diejenigen, die unablässig meine Lehrworte gehört haben? Dann muss euch bewusst sein, dass Ich, ohne eure Schandflecken anzusehen, nur eure Wunden gesucht habe, um sie mit meiner Liebe zu heilen.

Wenn ihr das Verlangen habt, zu meinen Sämännern zu gehören, müsst ihr die Kraft kennen und besitzen, die der Güte innewohnt. Die Macht, die die Barmherzigkeit enthält, und die Wunder, die das Herz bewirkt, bestehen allein darin, fremdes Leiden zu fühlen oder zu teilen.

50     Geliebte Jünger: Die Unterweisung, die ihr von Mir empfangt, ist für euch von Lektion zu Lektion immer klarer geworden. Dieses Licht begann sich im Jahre 1866 in Lichtfunken zu manifestieren. Aber jetzt, in den letzten Jahren meiner Kundgabe, sind es nicht Funken, die zu euch gelangen, sondern das Licht in seiner Fülle.

Mit dem Jahr 1950 wird die Kundgebung meines Wortes in dieser Form enden, doch die Weisung wird weitergehen. Denn danach werdet ihr, wenn ihr euch in mein Werk vertieft, die göttliche Essenz entdecken, von der Ich so oft zu euch gesprochen habe, und euch an ihrem Geschmack erfreuen.

51     Ich will nicht nur, dass ihr bezeugt, dass ihr Mich gehört habt, sondern dass ihr zu meinen Propheten werdet und mit eurer Auftragserfüllung eine Zeit der Vergeistigung anzeigt. Dann werden die Generationen der Zukunft auf euren Spuren der Liebe und des guten Willens hinzukommen und mit festem Schritt einen sicheren Weg betreten.

52     Ihr trefft auf eurem Wege derzeit auf Dornengestrüpp und werdet auf noch mehr Hindernisse und Dornen stoßen. Aber eure Nächstenliebe soll euch nicht vom Pfade abirren lassen, damit die Menschenscharen von morgen den Weg gesäubert antreffen.

53     Ihr wisst, dass das Gute, das Licht, die Wahrheit zu allen Zeiten im Herzen der Menschen auf Widerstände gestoßen sind. Vertraut Mir dennoch, Ich habe euch oftmals gesagt, dass die Finsternis nicht obsiegen wird, denn es wird das Licht sein, das triumphiert.

54     Die Menschheit läutert sich zurzeit, ihr Leidenskelch wird sie von ihren Schandflecken reinwaschen, damit sie aus ihrer Sühne rein hervorgeht. Denn das Geistige Reich des Friedens und der Gerechtigkeit nähert sich den Menschen.

55     Seht ihr nicht, wie sich nach und nach die Fesseln des Fanatismus und der Abgötterei lösen, die die Menschen binden? Der Grund dafür ist, dass Ich gekommen bin, sie zu befreien. Später wird mein Licht in Form des Wortes zu den Menschen gelangen, und ihr werdet sehen, wie es sie trotz seiner Schlichtheit und Einfachheit erbeben lassen wird, und wie es in seiner liebevollen Art die Macht haben wird, die Herzen aus Stein zu erschüttern, bis es sie das kristallklare Wasser der Reue, der Vergebung und der Liebe vergießen lässt.

56     Weint nicht, Jünger, noch werdet ihr Mich einige weitere Tage lang vernehmen, noch werden auf eure Leiden einige weitere Tropfen des Honigs fallen, den mein Wort vergießt. Bereitet euch währenddessen vor, damit ihr nach meinem Abschied meine Gegenwart fühlen könnt.

57     Es ist nun die Zeit der Besinnung, in der ihr wachen und beten müsst, um auf die Stimme Gottes zu achten.

58     Manchmal fragt ihr Mich: "Herr, wer könnte die ganze Menschheit aufwecken, damit sie ihren Geist zu Dir erhebt und Deine Gegenwart fühlt?" Doch Ich sage euch: Seid unbesorgt, mein Geist sucht sie bereits heim, damit sie erwacht. Ihr könnt euch nicht völlig über meine Werke klar werden, deshalb habt ihr jenes Erwachen nicht entdeckt, das nur Ich sehe.

59     Alle erwarten das Licht eines neuen Tages, die Morgenröte des Friedens, welche Beginn eines besseren Zeitalters sein soll. Die Unterdrückten erwarten den Tag ihrer Befreiung, die Kranken hoffen auf ein Heilmittel, das ihnen Gesundheit, Kraft und Lebensfreude zurückgibt.

60     Wohl denen, die bis zum letzten Augenblicke zu warten verstehen, denn ihnen wird mit Zinsen zurückgegeben werden, was sie verloren haben. Diese Erwartung segne Ich, denn sie ist Beweis von Glauben an Mich.

61     Heute versteht ihr viele meiner Worte nicht, doch der Zeitpunkt wird kommen, an dem in eurem Verstande das Licht aufgeht und ihr den Sinn einer jeden meiner Unterweisungen versteht.

62     Meine Apostel in der Zweiten Zeit verstanden viele meiner Worte in dem Augenblick, da sie sie vernahmen, nicht. Dennoch fühlten sie nach meinem Scheiden, als sie sich dem Studium und dem Nachdenken widmeten, wie das göttliche Licht in ihrem Verstande aufging, und sahen sie mit höchster Klarheit all das, was für sie bis dahin ein undurchdringliches Geheimnis gewesen war.

63     Bisher habt ihr, wenn ihr Mich vernehmt, mein Wort nur oberflächlich erfasst. Und was habt ihr in ihm gefunden? Trost, Balsam, Liebkosung. Später, wenn eure Geschwüre und Wunden geheilt sind und ihr, statt nach meinem Balsam für eure Schmerzen zu verlangen, nach Weisheit strebt, um eure Nächsten zu trösten, werdet ihr den Anfang dazu gemacht haben, in den Sinngehalt meiner Unterweisungen einzudringen.

64     Ich sehe, dass ihr für die Welt betet, und Ich nehme von eurem Herzen die Fürsprache entgegen. Der Tag wird kommen, an dem ihr nicht nur für jene Völker betet, sondern sie auch aufsucht, um ihnen die liebevolle Botschaft meines Wortes zu bringen.

Mein Friede sei mit euch!

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