Buch des Wahren Lebens - Lehren des Göttlichen Meisters -
Band IX - Unterweisung 242 - 276
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Unterweisung 258
1
Du zeigst dich furchtsam vor Mir, o Volk, weil
meine Stimme der Gerechtigkeit dich erbeben lässt. doch Ich frage euch: Ist es
etwa meine Gerechtigkeit oder eine Ungerechtigkeit, die ihr fürchtet? Wenn es
meine Gerechtigkeit ist, so wisset, dass ihr einverstanden sein müsst, das
göttliche Urteil über eure Werke zu empfangen. Wenn es eine Ungerechtigkeit
ist, befindet ihr euch in einem Irrtum, denn Ich könnte eine solche nicht
begehen.
2
Ihr habt als Richter den unerbittlichsten, aber
gleichzeitig den liebevollsten, geduldigsten und verständnisvollsten Vater —
einen Richter, der, anstatt eure Verfehlungen bekannt zu machen oder euch bei
euren Nächsten zu verraten, euch einzeln ruft, zu eurem Herzen spricht, euch so
prüft, wie es notwendig ist, und euch eine neue Gelegenheit gibt, sei es, um
ein Werk zu beenden oder einen Fehler wiedergutzumachen.
3
Wenn in der göttlichen Gerechtigkeit nicht die
größte Liebe des Vaters vorhanden wäre, wenn seine Gerechtigkeit nicht diesen
Ursprung hätte, würde diese Menschheit nicht mehr existieren, ihre Sünde und
ihre unaufhörlichen Vergehen hätten die göttliche Geduld erschöpft; aber dies
ist nicht geschehen. Die Menschheit lebt weiterhin, die Seelen inkarnieren
immer noch, und auf Schritt und Tritt, in jedem menschlichen Werk bekundet sich
meine Gerechtigkeit, welche Liebe und unendliche Barmherzigkeit ist.
4
Um den Lehrstoff zu erfassen, von dem Ich zu
euch spreche, müssten die Menschen sich in den Sinngehalt meiner Unterweisung
vertiefen, und bisher sind sie mit ihren irdischen Angelegenheiten und Zielen
beschäftigt. Doch nun kommt die Stunde, in der sie für kurze Zeit das hinter
sich lassen sollen, was sie so sehr beschäftigt und versklavt, um ihren Blick
zum Firmament zu erheben und Mich innerlich zu fragen: "Mein Gott, was
geschieht auf der Welt? Was ist aus unserem Leben geworden, und was haben wir
mit ihm gemacht, dessen wir uns nicht bewusst sind?" Dies wird des
Augenblick der Erleuchtung sein, den nun viele haben werden.
5
Andere werden von dem Worte, das Ich euch in
dieser Zeit gegeben habe, überrascht werden, das zum Herzen meiner Boten, meiner
Zeugen und Jünger gelangt, die ihr seid.
6
Die Menschen werden versuchen, meiner
Offenbarung Wahrheit abzusprechen, aber die Tatsachen, die Beweise, die
Ereignisse werden für diese Wahrheit sprechen und zeugen, welche als die große
Botschaft der "Dritten Zeit" von den Lippen meines Volkes kommen
wird. Und auch durch Schriften wird sich meine Lehre auf der Welt verbreiten,
weil dies ein zulässiges Mittel ist, das Ich von den frühesten Zeiten an meinen
Boten eingab. Ich will nur, dass ihr über meine Wahrheit wacht und sie den
Herzen in der reinsten und schlichtesten Weise weitergebt.
7
Jünger, seht, wie der Meister, der sein Wort
bald enden lassen wird, euch in jeder Unterweisung eine Lehre geistiger
Zurüstung für euren Kampf gibt.
8
In Scharen kommt ihr herbei, um meine
Unterweisung zu empfangen, nachdem ihr eine weite Wüste wechselvoller
Schicksale durchquert habt. Der Grund dafür ist, dass eure Seele gefühlt hat,
dass die für meine Wiederkunft angekündigte Zeit gekommen ist, dass sie die
göttliche Stimme vernommen hat, die sie ruft.
9
Scharen von Kranken, von Hungernden, von
Dürstenden und Ermatteten, die im Verlangen nach dem Brot der Liebe, dem Manna
des Lebens von dem Lichte der Hoffnung beseelt herbeikommen, gelangen nun in
die Gegenwart ihres Schöpfers.
10 Seid
alle willkommen! Ruht euch im Schatten meines Friedens aus, esst und trinkt und
genest von euren Krankheiten.
11 Wenn
ihr diesem Worte weiterhin beharrlich Gehör schenkt, wenn ihr euch aufmacht, um
im Lebenskampfe zu bestehen, werdet ihr eure Last leichter werden fühlen, weil
ihr im Glauben und im Wissen stark geworden seid.
12 Diejenigen,
die bei Mir nur Güter oder Schätze der Welt suchen und die Existenz der
geistigen Gaben nicht anerkennen, werden eine Enttäuschung erleben, und wenn
sie sich von dem Weg entfernen, auf den sie gerufen wurden, werden sie ihre
Hände leer und ihr Herz trostlos sehen. Es sind Seelen, die noch das Unreine
lieben, und Ich werde ihnen eine weitere Zeit geben müssen, damit sie sich
entwickeln, Erfahrungen sammeln, und, wenn sie auf meinen Weg zurückkehren,
bereiter sind, Mich aufzunehmen.
13 Für
den, der mit Vergeistigung gekommen ist, ist meine Gegenwart mittels dieses
Wortes ein wahres Fest des Lichtes, wo der Begierde des nach Liebe,
Gerechtigkeit, Weisheit und Frieden Hungernden die besten Speisen des Geistigen
Reiches angeboten werden. Diese werden sich nicht von meinem Wege entfernen
können und werden die Güter der Welt obendrein zu empfangen verstehen.
14 Mein
Werk wird das Wesentliche in ihrem Leben sein, und das Materielle wird die Ergänzung
sein, um sich am Leben zu erhalten und die Aufgabe zu erfüllen, die ihnen
anvertraut worden ist.
15 Ach,
wenn ihr doch alle begreifen würdet, dass die Sonne dieses Wortes sich bald
verbergen wird — ihr würdet euch beeilen, etwas von seinem Wert und seinem
Lichte in eurem Herzen zu bewahren. Aber ihr seid zu langsam im Begreifen, seid
zu widersetzlich, um die Gabe der Seherschaft zu entfalten, damit ihr schon
jetzt die Nähe der Neuen Zeit schauen könntet.
16 Mit
Sicherheit wird meine Anwesenheit unter euch in der Form, in der Ich bei euch
gewesen bin, nur noch kurz sein, und es ist notwendig, dass ihr das
Gegenwärtige und das Zukünftige lebt, und viele Bräuche, Glaubensüberzeugungen,
Vorstellungen und Handlungsweisen eurer Vergangenheit vergesst, die einen Teil
der ungeheuren Last darstellen, die ihr mit euch geschleppt habt, als ihr
herbeikamt, um mein Wort zum ersten Male zu vernehmen.
17 Ich
bin der Retter der Seelen, bin der Verteidiger eures Glaubens und eures Lebens.
Ich konnte euch nicht in die Abgründe gestürzt oder in den Wüsten verirrt
lassen, ohne euch meine tröstende Stimme hören zu lassen, ohne euch das wahre
Licht schauen zu lassen, das meinem Geiste entspringt.
18 Wollt
ihr euch nur damit begnügen, Mich zu hören, um eurem Herzen Frieden zu geben,
ohne euch vorzubereiten, um mein Werk in die Herzen eurer Mitmenschen zu säen,
oder meine Jünger zu sein?
19 Wenn
ihr den Wunsch habt, Mir wohlgefällig zu sein, indem ihr euren Nächsten
nützlich seid, so lasst sie teilhaben und nutzt die göttlichen Unterweisungen,
die Ich euch jedes Mal, wenn Ich Mich einstelle, gebe, damit ihr fähig seid,
von Mir, von meinem Gesetze und meiner Lehre zu sprechen, und ihr nicht durch
jene überrascht werdet, die darauf vorbereitet sind, jedes neue Licht, das
erscheint, zu bekämpfen, selbst wenn dieses Licht das der absoluten Wahrheit
ist, die Weisheit aller Zeiten.
20 Begreift,
dass Ich euch nicht nur rief, um euch in euren Trübsalen zu trösten, sondern
auch, um euch zu lehren, den Schmerz eurer Mitmenschen zu fühlen und sie in
ihren Leiden zu trösten.
21 Wenn
ihr wissen wollt, was ihr unter den Menschen tun sollt, genügt es, das zu
betrachten, was Ich bei euch getan habe von dem Tage an, da ihr mein Wort zum
ersten Mal gehört habt.
22 Ich
vergab euch, empfing euch mit unendlicher Barmherzigkeit und Liebe, ließ euch
von dem mühseligen Tagewerk ausruhen. Ich hielt Mich nicht damit auf, eure
gesellschaftliche Stellung, euren
Stand oder eure Kaste zu beurteilen. Ich
reinigte den Aussatz eurer Sünde und heilte eure Gebrechen. Ich war
verständnisvoll, nachsichtig und wohlwollend beim Beurteilen eurer Mängel. Ich
brachte euch zum wahren Leben zurück, indem Ich euch eine Liebeslehre gab, die
euch befähigt, euch zu retten, indem ihr eure Nächsten rettet.
23 In
diesen meinen Werken, die Ich an jedem von euch getan habe, könnt ihr das beste
Beispiel finden, um es unter den an Körper und Seele Notleidenden zur Anwendung
zu bringen, welche in Scharen zu euch kommen werden.
24 Wenn
Ich zu diesem Volke hier spreche, spreche Ich zur Menschheit. Eure Aufgabe ist
es, euch morgen an die Herzen der Menschen zu wenden und ihnen brüderlich mein
Wort zu übermitteln, das das Werk der Erlösung vollenden wird.
25 Heute
fühlt ihr, dass euch der Schmerz heimgesucht hat, und manchmal begreift ihr
nicht, dass ihr euch mittels dieses Kelches läutert. Wie könntet ihr von Mir
sprechen, solange ihr befleckt seid? Wie könnte aus eurem Herzen die Liebe
strömen, die sich durch Gefühle der Barmherzigkeit und Menschlichkeit bekundet,
wenn es voll Selbstsucht wäre?
26 Die
Unvollkommenheiten der Kinder Gottes haben bewirkt, dass es Schmerz gibt — ein
Schmerz, der zum Lehrmeister geworden ist, um eure Herzen zu bearbeiten und
euch den Weg zu zeigen, den ihr verloren habt. Meine Liebe lässt sich in eurem
Herzen nieder, um aus ihm alles Böse zu entfernen, weil Ich euch stark, gesund
und rein sehen will.
27 Höret
diese Stimme, die in dieser Form unter euch ertönt, werdet nicht müde, sie zu
vernehmen. Ich habe meine Kundgebung in der Absicht verlängert, um die
Rauheiten eurer Herzen zu glätten und euch, wenn Ich Mich nach 1950 nicht mehr
kundgebe, fest im Glauben zurücklassen zu können.
28 Die
Menschen sind ihrer Wissenschaft ergeben, ihr Herz und Verstand ist völlig von
dem Leben in Anspruch genommen, das sie auf der Erde leben. Daher wählte Ich
unter den Menschen diese hier aus, durch die Ich spreche, schlicht und ohne
Wissenschaft. Ich berührte diese Herzen, und hernach durchdrang Ich ihr
Verstandesvermögen mit meinem Lichte, um meinem Volke diese Liebesbotschaft zu
bringen.
29 Dieses
Licht hat den Pfad eures Lebens erhellt, und deshalb habt ihr euch Mir
übergeben. Nach meinem Scheiden werde Ich euch unter der Menschheit
zurücklassen, damit ihr von meiner Wahrheit Zeugnis ablegt und unter den
Jüngern die Meister erscheinen, die die Lehre der geistigen Liebe mit ihren
Werken predigen.
30 Die
Freuden des Himmelreiches sind für alle bestimmt. Hier auf Erden werdet ihr ein
wenig von jenem Frieden und einen Abglanz des ewigen Lebens haben. Seid guten
Willens auf der Erde, und mein Friede wird euch nicht fehlen.
31 Viele
Seiten des Buches des Lebens habt ihr vorübergehen sehen, seit Ich euch mein
Wort gebe. Jede von ihnen ist eine vollkommene Unterweisung gewesen. Manchmal
ist es die Liebe des Vaters gewesen, die zu euch gesprochen hat, ein anderes
Mal ist es der Meister gewesen, der euch vor seinen Lehrstuhl gesetzt hat, und
zuweilen ist es der Richter gewesen, der euch aufgerüttelt hat.
32 Ihr
alle habt mein Wort empfangen, daher habt ihr alle Anweisungen und Aufgaben im
Geiste erhalten, um sie zu befolgen. Einige haben damit begonnen, andere warten
noch auf den Zeitpunkt zum Aufbruch, wieder andere sind in Vorbereitung. Es
gibt nicht einen unter euch, der keine Fähigkeiten zum Entfalten empfangen hat.
Doch während die einen schon jetzt mit der Entfaltung begonnen haben, da Ich
Mich noch in dieser Form kundgebe, werden die anderen ihre seelische Entfaltung
erst nach der Zeit meiner Kundgabe beginnen. Erhebt euch jedoch alle in diesen
Zeiten wie ein einziger Geist.
33 Ihr
besitzt Gaben, um mein Wort zu ergründen, um meine Inspirationen zu empfangen
sowie die Gesichte, die euch das Kommende ankündigen werden.
34 Jene,
die heute stehengeblieben sind — jene, die Gaben empfangen habe, um meinen
göttlichen Strahl zu empfangen, oder die zulassen sollten, dass sich durch sie
die Geistige Welt kundgibt, und die ihre Mission nicht erfüllt haben, werden
sich später an die Erfüllung machen, obwohl Ich ihnen schon jetzt sage, dass
sich die Form der Weitergabe ändern muss, damit sie der Menschheit nicht
Verwirrung bringen.
35 Der
Tag wird kommen, an dem ihr über die Welt verstreut seid — der eine in einer
Nation, ein anderer in andere Länder, und dennoch werdet ihr euch alle vereint
fühlen durch die geistige Harmonie, die Ich euch gebracht habe.
36 Ich
bereite euch zu, damit ihr euch liebt und durch dieses Band stark und
unbesiegbar seid. Um dessentwillen bin Ich der liebevolle und geduldige Meister
gewesen, der durch sein Vorbild den Jüngern den Weg zeigt. Wacht über eure
Schritte, über eure Werke und selbst über eure Worte und Gedanken. Nicht der
Mensch soll es sein, der eure Unvollkommenheiten richtet, es soll immer der
Meister sein, der euch durch euer Gewissen korrigiert.
37 Es
war mein Wille, Mich durch sündige Menschen kundzutun, um euch Beweise meiner
Kraft und meiner Liebe zu geben. Geht nun mittels des Geistes auf euren Vater
zu, um Ihm zu beweisen, dass auch ihr Ihn liebt. Erstrebt dieses Ziel, gelangt
zu jener erhabenen Zwiesprache von Geist zu Geist, ohne euch mit den ersten
Früchten, die ihr erntet, zufrieden zu sein, sondern erst dann, wenn ihr die
Vollkommenheit erreicht habt. Jeder Mensch wird dann in seinem Innern den
göttlichen Führer haben, der ihn ewig auf den Pfaden führen wird, die denen
bestimmt sind, die sich im Verlangen nach der Liebe ihres Schöpfers
aufwärtszuentwickeln verstehen.
38 Mein
zum Wort gewordenes Licht, das Leben, die Prüfungen — alles hat den Sinn, euch
von eurem Materialismus frei zu machen. Morgen wird selbst die menschliche
Wissenschaft Spiritualität, Erhebung, edle Ziele haben und wird von dem zu
sprechen verstehen, was ihr dem Anschein nach verborgen gewesen ist und das sie
in Wirklichkeit nur nicht entdeckt hat. Denn es wird nicht der Verstand sein,
der in das Geheime eindringt, sondern die Seele, und dies wird erst dann
eintreten, wenn sie Reinheit erlangt hat.
Aber sei unbesorgt, Volk, dass wegen der Hinwendung zum
Geiste und was zu ihm gehört das menschliche Leben und eure irdischen Pflichten
vernachlässigt werden, und dass eure Gesundheit und euer Körper dadurch Folgen
erleiden, die ihr heute noch nicht ahnt. Denn wenn die Seele der heutigen
Menschen sich aus dem Schmutz erhebt, in dem sie heute lebt, wird sie in ihrem
Körper eine neue Kraft und ein bis dahin unbekanntes Licht fühlen, das die
Menschen dazu bringen wird, ein an Wohlbefinden, Wohlergehen und Gesundheit überreiches
Dasein zu schaffen.
39 Wieso
haben die Menschen danach getrachtet, ihre Seele unablässig mit vergänglichen
und manchmal nichtssagenden Kulthandlungen zu nähern? Ihr solltet weder die
Seele, noch das Herz durch Kulthandlungen betrügen, die keine Essenz oder
Substanz des ewigen Lebens haben.
40 Es
ist notwendig, dass dieses Licht bald zum Herzen der Menschen gelangt. Es ist
nicht von Bedeutung, dass es anfangs Anlass zu Auseinandersetzungen oder
Kämpfen ist. Schon immer sind das Licht und die Finsternis, die Wahrheit und
das Falsche, das Gute und das Böse aufeinandergeprallt. So wie die Schatten der
Nacht beim Licht des Tages vergehen, so wird das Böse der Menschen vor meiner
Botschaft der Liebe zurückweichen.
41 In
jener "Zweiten Zeit" wurde mein Kommen als Mensch nur von einigen
wenigen Herzen geglaubt. Dennoch bestimmte die Menschheit später die Geburt des
Erlösers als Beginn eines neuen Zeitalters. Ebenso wird in dieser Zeit der
Beginn meiner Kundgabe an euch, das heißt, mein Kommen als Heiliger Geist, morgen
als der Beginn eines weiteren Zeitalters festgesetzt werden.
42 Hört
auf das, was euch Christus sagt, die Verkörperung der Göttlichen Liebe.
43 Friede
den Menschen guten Willens, denen, die die Wahrheit lieben und den Samen der
Liebe säen.
44 Ich
bin "Das Wort", das die Menschen aufsucht, weil sie nicht zu Mir
gelangen konnten. Es ist meine Wahrheit, die Ich ihnen offenbare, da die
Wahrheit das Reich ist, in das ihr nach meinem Willen alle eingehen sollt.
45 Wie
wollt ihr die Wahrheit entdecken, wenn Ich euch nicht zuvor sage, dass dafür
viele Verzichtleistungen nötig sind?
46 Um
die Wahrheit zu finden, ist es bisweilen nötig, auf das zu verzichten, was man
besitzt, sogar sich selbst zu entsagen.
47 Der
Selbstgefällige, der Materialist, der Gleichgültige kann die Wahrheit nicht
erkennen, solange er nicht die Mauern zerstört, innerhalb derer er lebt. Es ist
notwendig, dass er seine Leidenschaften und Schwächen überwindet, um mein Licht
von Angesicht zu schauen.
48 Ein
Materialist liebt nur das menschliche Leben. Da er jedoch erkennt, dass alles
in ihm vergänglich ist, ist er darauf bedacht, es intensiv zu leben. Wenn dann
seine Pläne oder seine Wünsche nicht Wirklichkeit werden oder der Schmerz ihn
in irgendeiner Weise heimsucht, verzweifelt und lästert er; er fordert das Schicksal
heraus und gibt ihm die Schuld daran, dass er nicht die Wohltaten empfängt, auf
die er ein Anrecht zu haben glaubt.
49 Es
sind schwache Seelen in unbeugsamen Körpern, es sind moralisch unreife Wesen,
die auf vielerlei Weise geprüft werden, um ihnen die falsche Wertschätzung
begreiflich zu machen, die sie in ihrer Vermaterialisierung Werken von geringer
Verdienstlichkeit beimessen.
50 Wie
gerne würden die Vermaterialisierten ihr Schicksal verändern! Wie sehr
verlangen sie danach, dass alles nach ihren Vorstellungen und ihrem Willen
abläuft.
51 Man
kann von Gott alles erlangen, was man sich an Gutem wünscht, ohne dass es nötig
ist, seine Gerechtigkeit herauszufordern oder seiner Macht zu misstrauen. Meine
Liebe ist bereit, jeden zu erhören, der sein Dasein verbessern möchte.
52 Ich
sage euch noch einmal: Friede den Menschen guten Willens, die die Wahrheit
lieben, denn sie tun etwas, um sich dem göttlichen Willen zu beugen. Und die
sich unter meinen Schutz stellen, müssen meine Gegenwart zwangsläufig fühlen —
sowohl in ihrer Seele als auch in ihrem menschlichen Leben, in ihren Kämpfen,
in ihren Bedürfnissen, in ihren Prüfungen.
53 Die
Menschen guten Willens sind Kinder, die dem Gesetz ihres Vaters gehorchen. Sie
gehen auf dem rechten Weg, und wenn sie stark leiden, erheben sie ihre Seele zu
Mir im Verlangen nach Vergebung und Frieden. Sie wissen, dass der Schmerz
oftmals notwendig ist, und deshalb ertragen sie ihn mit Geduld. Nur wenn er
unerträglich wird, bitten sie, dass ihnen die Last ihres Kreuzes erleichtert
wird. "Herr", sagen sie Mir, "ich weiß, dass meine Seele der
Läuterung, des Leidens bedarf, um sich aufwärts zu entwickeln. Du weißt besser
als ich, was mir nottut. Du kannst mir nichts geben, was ich nicht nötig habe.
Dein Wille geschehe daher an mir." Gesegnet seien, die so denken und
beten, denn sie suchen das Vorbild ihres Meisters, um es auf die Prüfungen
ihres Lebens anzuwenden.
54 Es
ist richtig, das jeder Schmerz, dass jedes Leiden das Herz erneuert, die Seele
erschüttert und sie von ihren Flecken reinigt, indem er ihr die Gelegenheit
gibt, zu wachsen und sich aufwärtszuentwickeln.
55 Wie
viel Gutes tut der Schmerz in der Seele, wenn dieser Kelch mit Liebe und Geduld
getrunken wird!
56 Weit
ist der Prüfungsweg für eure Seele gewesen. Ihr gleicht den tausendjährigen
Bäumen, die ihre dürren Blätter beim Stürmen der Winde verlieren, die sie
peitschen und kahl machen, damit sie sich später mit neuen Blättern bedecken.
So erfüllt der Baum den Willen des Vaters. Ebenso solltet ihr alle ihn
erfüllen, indem ihr zulasst, dass die Prüfungen und Lektionen, die euch euer
Vater während eures Lebens erteilt, euch von den alten Kleidern, den
Unreinheiten und Lumpen der Seele frei machen, um euch mit neuen Festgewändern
zu bekleiden.
57 Wisset,
Jünger, dass der Schmerz die schlechten Früchte aus eurem Herzen entfernt, euch
Erfahrung schenkt und bewirkt, dass eure Irrtümer berichtigt werden.
58 Auf
diese Weise prüft euch euer Vater, damit es in eurem Verstande hell wird. Doch
wenn ihr nicht versteht und unfruchtbar leidet, weil ihr den Sinn meiner weisen
Lektionen nicht entdeckt, ist euer Schmerz sinnlos, und ihr wertet die Lektion
nicht aus.
59 In
dieser Zeit habe Ich euch den Sinn des Lebens erklärt, in dem ihr den Grund für
euren Schmerz wissen sollt, was Sühne und Wiedergutmachung bedeutet, und weshalb
ihr euch läutern müsst. Wenn mein Volk meine Unterweisung versteht und erfühlt,
werden die Fundamente einer neuen Menschheit gelegt werden.
60 Hat
euch manchmal der Schmerz durchgerüttelt? Haben sich eure Äste verbogen, haben
sich die dürren Blätter losgelöst, und sind die schlechten Früchte von eurem
Baume gefallen? Ich sage euch, dass das Gute, das eure Seele erworben hat,
unvergleichlich mehr wert ist als das, was auf der Welt am meisten geschätzt
wird.
61 Ich
gebe euch Beispiele, die ihr täglich in der Natur beobachten könnt, wie das des
Baumes, wenn er vom Sturmwind gepeitscht wird. Denn die materielle Natur ist
eine Manifestation der göttlichen Natur, weshalb ihr in allem, was euch umgibt
in diesem Leben, eine Lehre oder eine Offenbarung für euren Geist finden könnt.
62 So,
wie euer Körper, um zu leben, nach Luft, Sonne, Wasser und Brot verlangt,
ebenso benötigt auch die Seele das Lebensumfeld, das Licht und die Nahrung, die
ihrem Wesen entspricht. Wenn sie sich der Freiheit beraubt sieht, sich im
Verlangen nach ihrer Nahrung emporzuschwingen, wird sie schwach, welkt sie und
wird stumpfsinnig; so wie wenn man ein Kind zwingen würde, immer in seiner
Wiege zu bleiben und in seiner Kammer eingesperrt zu sein. Seine Glieder würden
lahm werden, es würde bleich werden, seine Sinne würden abstumpfen und seine
Fähigkeiten verkümmern.
63 Erkennt,
dass auch die Seele ein Lahmer sein kann! Ich könnte euch sogar sagen, dass die
Welt voll von seelisch Lahmen, Blinden, Tauben und Kranken ist! Die Seele, die
eingesperrt lebt und ohne Freiheit zur Entfaltung ist, ist ein Wesen, das nicht
wächst — weder an Weisheit noch an Kraft, noch an Tugend.
64 Wartet
nicht darauf, dass euch wilde Stürme von Unreinheiten säubern, denn ihr könnt
auch das Kommen der Jahreszeiten erwarten, um euch in ihnen zu erneuern, um
euch zu läutern und zu erblühen.
65 Vieles
müsst ihr lernen auf dieser Welt, damit ihr zu anderen, höheren Lebenswelten
gelangen könnt.
66 Lernt,
denkt nach, versteht zu kämpfen, zu leiden und zu hoffen. Liebt immer und habt
auch Vertrauen. Seid Menschen des Glaubens und des guten Willens, und ihr
werdet große Seelen sein.
67 Wenn
ihr meine Gegenwart in der Natur, die euch umgibt, suchen wollt, so tut es. Ich
weiß, dass ihr Mich in allem entdecken werdet, weil Ich in allen und in jedem
meiner Werke bin.
68 Seht,
wie Ich Mich durch diese Menschen kundgebe, in denen Ich Mich für kurze Zeit
verberge, um mein göttliches Wort von ihren Lippen strömen zu lassen. Wann
werdet ihr Mich jenseits dessen schauen, was zu dieser Welt gehört? Wann werdet
ihr Mich durch eure geistigen Sinne vernehmen, ohne die Notwendigkeit eines
menschlichen Werkzeugs?
69 Das
ewige Lehrwort Gottes ertönt unablässig, weil Er "Das Wort" ist. Doch
vernehmen es nur die erleuchteten Menschen direkt, das heißt von Geist zu
Geist.
70 Wenn
ihr einmal in direkter Verbindung mit dem Göttlichen und mit dem Menschlichen
sein werdet, wenn ihr die Harmonie eures Wesens erlangt, werdet ihr den Gesang
hören, in dem sich der Engel und der Mensch, der Himmel und die Welt, das
Jenseits und das Erdreich, der Geist und die Materie vereint. Alles wird sich
in einem Liebeshymnus zum Göttlichen Wesen vereinen, der seinen Werken Leben
gegeben hat und sie zu seinen Kindern machte. In diesem Lobgesang werdet ihr
euch vereinen, Jünger, denn dazu bin Ich erneut zu den Menschen gekommen.
71 Es
ist notwendig, dass ihr euer inneres Heiligtum betretet — jenes, das nicht von
der Hand des Menschen errichtet wurde, sondern durch den göttlichen Verstand.
Ich sage euch, dass ihr dort die Offenbarung der Wahrheit kennenlernen werdet,
dort die Essenz des Ewigen verstehen werdet, damit ihr sie mehr als alles
Vergängliche liebt.
72 Was
ist schon euer Körper? Ein vergängliches Vögelchen, dessen Flug nur von kurzer
Dauer ist — ein Vogel, der unbewusst sein baldiges Verschwinden besingt.
Armseliger Körper, der in seinem Egoismus vieles für sich verlangt und fordert.
Die Seele dagegen ist der für die Welt unsichtbare, aber reine und leuchtende
Vogel, der sich im Laufe der Zeit immer höher erhebt. Sie ist das Wesen, für
das es keine Lebensalter, Jahre oder Jahrhunderte gibt.
73 Ihr
wisst, an welchem Tag, in welcher Stunde und in welchem Jahr ihr geboren seid.
Doch wisst ihr etwa, wann ihr geistig zum Leben erstandet?
74 Erhebt
die Seele, sie ist das Wesentliche eures Lebens, sie ist eure Bestimmung und
der Zweck, für den ihr geschaffen worden seid. Erhebt euch, denn so werdet ihr
zu Mir kommen. Ich habe euch vieles zu geben, viel mehr als das, was ihr auf
der Welt angetroffen habt.
75 Die
Liebe muss euch schließlich besiegen, und durch die Liebe werdet ihr Mich
erkennen.
Mein Friede sei mit euch!